Wirtschaft
Gewerkschaften warnen vor Lohn-Nullrunden
Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) gibt sich mit den ersten Ergebnissen der diesjährigen Lohnverhandlungen zufrieden. In der Regel erhielten die Arbeitnehmenden höhere Reallöhne. Allerdings lehnt der SGB Nullrunden strikte ab.
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Positive Beispiele finde man im Detailhandel und auf dem Bau, zog SGB-Chefökonom Daniel Lampart vor den Medien in Bern Zwischenbilanz. Auch viele Kantone und Städte sowie Spitäler und öffentliche Betriebe hätten Reallohnerhöhungen zugesichert.
Die Konsumentenpreise würden 2009 um ungefähr 0,4 Prozent zurückgehen, was die Kaufkraft der Löhne zusätzlich stärke, räumte Lampart ein. Rechne man jedoch die Energiepreise als Teuerungsfaktor heraus, sei das Leben teurer.
Die SGB-Verbände hatten im August trotz schwerer Rezession Lohnerhöhungen von 1,5 bis 2,5 Prozent gefordert. Sie begründeten dies mit einem Nachholbedarf und dem guten Zustand der Binnenwirtschaft.
Eine Lohnerhöhung sei in verschiedenen Branchen noch nicht gesichert, kritisierte der SGB. «In einigen Branchen und Betrieben versuchen die Arbeitgeber, die Lohnverhandlungen so weit es geht hinauszuzögern», sagte Lampart. Diese wollten erst dann verhandeln, wenn die Rezession nach der Export- auch die Binnenwirtschaft, erreiche.
Zwei Drittel der Beschäftigten arbeiteten in Firmen oder Branchen, welche gute oder befriedigende Geschäfte machen. Für die Binnenwirtschaft sei 2009 kein schlechtes Jahr.
Dennoch hätten Arbeitgeberfunktionäre «vom ihrem Schreibtisch aus» Nullrunden propagiert. Nullrunden seien jedoch Gift für die Wirtschaft, da diese auf Lohnerhöhungen «wie auf eine Vitaminspritze» angewiesen sei, sagte Andreas Rieger, Co-Präsident der Gewerkschaft Unia. «Es kann nicht sein, dass den Arbeitnehmenden Lohnzurückhaltung abgefordert wird, während die Abzockerei bereits wieder begonnen hat.»
Die steigenden Krankenkassenprämien stellten im kommenden Jahr ein «konjunkturelles Grossrisiko» dar, sagte Lampart weiter. Der SGB fordert deshalb, dass der Bund mit dem Erlös von 1,2 Mrd. Fr. aus dem Verkauf der UBS-Wandelanleihe Familien und tiefere Einkommen unterstützen soll.
Eine vierköpfige Familie werde im kommenden Jahr 1000 bis 1500 Franken mehr Prämien bezahlen müssen, sagte Lampart, dies bedeute 2 Mrd. Fr. weniger Kaufkraft. Der SGB fordert daher auch eine Erhöhung der Prämienverbilligung.
(sda/koua)
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