20 Jahre Mauerfall
«Vor 20 Jahren fiel die Mauer» (VII)
Promi-Gedanken zum 9. November
Erstaunt, überwältigt und in gespannter Erwartung auf die Zeit danach haben auch Prominente aus Politik und Show-Business auf den Mauerfall in der November-Nacht 1989 reagiert. Für den in der Schweiz lebenden Sänger Udo Jürgens war es «unvorstellbar am Brandenburger Tor», wo er «mehr als eine Träne zerdrückt» habe.
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Sänger Udo Jürgens: «Ich war in Berlin. Dann haben wir im Radio in einem Restaurant zufällig gehört, dass die Menschen durch die Mauer kommen, über die Mauer springen und dass da die Hölle los ist. Wir haben sofort beschlossen, dorthin zu fahren. Es war ja unvorstellbar am Brandenburger Tor. Wir haben zwischendurch mehr als nur eine Träne zerdrückt, sind uns mit wildfremden Menschen in den Armen gelegen.»
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit: «Ein Nachbar rief mich an und sagte, schalt den Fernseher an, die Mauer fällt. Das habe ich erst nicht geglaubt. Richtig ins Getümmel bin ich dann am 10. November gegangen. Es war unbeschreiblich. Wer heute über irgendetwas meckert im Zusammenhang mit der Einheit, soll sich erinnern an diese Glücksmomente, als man fremde Menschen umarmt hat und glücklich war.»^
Der letzte SED-Generalsekretär Egon Krenz: «Da hatte ich die Verantwortung, dass nichts passiert. Das waren harte Stunden für mich, das war kein Volksfest. Ich musste entscheiden, dass es keine kriegerische Auseinandersetzung gibt. Erst gegen 21.00 Uhr erfuhr ich, dass Schabowski die Grenzöffnung verkündet hatte.»
Lothar de Maizière, erster frei gewählter DDR-Ministerpräsident: «Ich war am Abend bei einer Veranstaltung im Französischen Dom. Da kam ein junger Mann herein und sagte: Die Mauer ist geöffnet. Doch wirklich alle blieben wirklich alle brav sitzen, weil sich zwei neue Gruppierungen noch nicht vorgestellt hatten. Das war typisch für den Herbst 89 - diese Disziplin und innere Friedfertigkeit - Revolution erst nach 17.00 Uhr. Ich bin nach Hause gegangen, um an einer neuen Rede zu arbeiten, die ich am 10. November halten wollte - falls ich zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt werde. Aber der Fernseher lief neben dem Schreibtisch.»
Rock-Star Peter Maffay: «Ich sass vorm Fernseher, habe einfach hinein gestiert und gedacht: Das geht ja eigentlich gar nicht, was da passiert. Ich habe wie Millionen anderer gehofft, das jetzt nicht einer eine Knarre zückt und schiesst. Eine so weltumspannende Revolution mit so wenigen Opfern ist für mich ein Wunder. Das hat mich fasziniert. Ich habe ein Stück Mauer bei mir zu Hause.»
Marianne Birthler, frühere DDR-Oppositionelle: «Wie vermutlich Millionen anderer habe ich die Pressekonferenz von Schabowski im Fernsehen mit seinem legendären Versprecher zur Maueröffnung gesehen und eine Weile gebraucht, um das für wahr zu halten. Dann sind wir in der Nacht noch rübergemacht. Erst wollten wir nur gucken, aber dann hat es uns rübergezogen. Als mein Ausweis gestempelt wurde, bekam ich noch kurz Angst - aber dann, es war undenkbar, dass man uns aussperrt und die Mauer wieder zumacht. Ich hab die Nacht genossen - mit Freunden, die ich im Westen hatte, mit Unbekannten, die ich am Ku'damm traf.»
Sänger und Komiker Mike Krüger: «Ich lag morgens im Bett in meinem Hotelzimmer, habe das Radio eingeschaltet und der Sprecher sagte: Millionen von Menschen aus unserem Nachbarstaat drängen über die Grenzen und stauen sich in ihren seltsamen Autos auf unseren Strassen! Und ich dachte: Nanu, schon wieder Schulferien in Holland?!»
(sf/agenturen/halp)
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