Bundesratswahl 2009
Wahl Burkhalters für Presse ein Sieg der Vernunft
Die Schweizer Zeitungskommentatoren bewerten die Wahl von Didier Burkhalter zum 112. Bundesrat mehrheitlich als vernünftigen Entschluss für die Konkordanz und die Stabilität im Land. Der 49-Jährige Neuenburger löst jedoch keine Begeisterungsstürme aus.
«Die Wahl war langweilig, doch das Ergebnis stimmt zuversichtlich», schreibt die «Thurgauer Zeitung», die die Wahl als «Sieg der Vernunft» beurteilt.
«Vernunft statt Zunder», lautet das Urteil der NZZ. Auch die «Basler Zeitung», der «Tages-Anzeiger» oder die «Zürcher Landzeitung» sowie die welschen «24 heures» und «Tribune de Genève» sprechen von einem Entscheid für die Stabilität und die Konkordanz.
Für das «Bieler Tagblatt» hat zudem die Sprachenfrage eine Schlüsselrolle gespielt - Das Parlament habe sich für einen «waschechten Romand» entschieden.
Die Wahl des CVP-Herausforderers Urs Schwaller hätte die «Büchse der Pandora» geöffnet, schreibt das «Journal du Jura». Und dies nicht weil die CVP keinen Anspruch auf den Sitz gehabt hätte, sondern «ganz einfach weil Urs Schwaller ein Deutschschweizer ist».
Nach vielen Bundesratswahlen «mit wüsten Begleiterscheinungen» sei die gestrige Ausmarchung würdevoll verlaufen und sei geprägt gewesen von gegenseitigem Respekt, lautet der Kommentar im «Blick».
Es deute sich an, dass die alten Wunden, die von den heftigen Kämpfen um Christoph Blocher herrührten, am verheilen seien. Erstmals seit der Blocher-Abwahl «sieht sich die SVP von der Linken wieder offen und ehrlich behandelt und damit respektiert».
Kritischer äussern sich «Der Bund», die «Berner Zeitung» und der Lausanner «Le Matin», die in der Wahl von Burkhalter durch die SVP und Teile der SP vor allem taktische Gründe erkennen.
Das Parlament habe einen Kandidaten gewählt, der «niemanden störe», schreibt «Le Matin». Dabei sei es SP und SVP weniger um die Konkordanz als darum gegangen, von der FDP Garantien für die eigenen Kandidaten bei kommenden Bundesratswahlen zu erhalten.
Für Burkhalter seien die Umstände seiner Wahl nicht einfach, schreibt «Der Bund», zumal sie zur Kritik passten, bei dem 49-Jährigen handle es sich um einen temperamentlosen, braven Konsenspolitiker. Er müsse jetzt den Ehrgeiz haben, «die Zweifler rasch eines Besseren zu belehren».
Gerade auch in der welschen Presse ist unmittelbar nach der Wahl wenig Begeisterung für den FDP-Mann auszumachen. «Sieg aus Mangel an Alternativen»: Diese Etikette werde an Burkhalter haften, schreibt «Le Temps».
Burkhalter komme als «Verkörperung des Kompromisses an die Macht», so die «Tribune de Genève». «Man hat sich frisches Blut erträumt, um einen blutarmen Bundesrat zu neuem Leben zu erwecken. Wie soll man also nicht enttäuscht sein über die Wahl von Didier Burkhalter in die Landesregierung?»
Positiver tönt es aus seinem Heimatkanton Neuenburg. Der neue Bundesrat werde in Bern noch für Überraschungen sorgen, schreiben «L'Express» und «L'Impartial». Dies vielleicht nicht mir provokanten Ideen wie sein Vorgänger Pascal Couchepin, aber mit einem starken Willen, Reformen voranzutreiben.
Klare Verliererin der Bundesratswahl ist für die Presse die CVP, die sich verspekuliert und mit Schwaller «ihr bestes Pferd im Stall verloren hat» («Südostschweiz»).
Gewonnen hat gestern in den Augen der Kommentatoren die FDP, die eine taktische clevere Wahlkampagne geführt habe («NZZ»). Parteipräsident Fulvio Pelli habe sich «in einem historisch heiklen Moment für seine Partei als Meister des politischen Schachspiels entpuppt» («Neue Luzerner Zeitung»).
Die Zauberformel sei auch nach der Wahl Burkhalters nicht in Stein gemeisselt. Spätestens nach den nächsten Parlamentswahlen 2011 dürfte die Konkordanz hart auf die Probe gestellt werden, so der Tenor in der Schweizer Presse.
(sda/koua)






