Inhalt

Bundesratswahl 2009

Ränkespiele vor Bundesratswahl

Sonntag, 13. September 2009, 3:49 Uhr, Aktualisiert 14.09.2009, 0:32 Uhr

Kurz vor der Bundesratsersatzwahl am Mittwoch machen Spekulationen, Parteien- und Kandidaten-Mobbing sowie düstere Zukunftsprognosen die Runde - auch in den Sonntagsmedien. Da warnt und droht SVP-Chef Toni Brunner der SP, deren Parlamentarier offenbar noch uneins sind über den richtigen Couchepin-Nachfolger. Und ein FDP-Aussenseiter empfindet seinen Platz in der zweiten Reihe als wohltuend.

Videoplayer
Beitrag 1

SVP-Chef Toni Brunner warnt die SP vor einem Sitzverlust zugunsten der Grünen: «Wenn die SP Schwaller wählt, könnte sich das bei den Gesamterneuerungswahlen 2011 rächen», sagte Toni Brunner im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Denn wenn die SP am nächsten Mittwoch bei der Bundesratsersatzwahl die Konkordanz breche, könnte die SVP gemeinsam mit der FDP in zwei Jahren einen der beiden SP-Sitze den Grünen geben.

«SP und Grüne haben weniger als 30 Prozent Wähleranteil, also zusammen Anspruch auf zwei Bundesratssitze. Warum diese zwei Sitze innerhalb des linken Kuchens nicht neu verteilen?»

Der Freisinnige Neuenburger Bundesratskandidat Didier Burkhalter hat unterdessen gute Chancen am Mittwoch zum Nachfolger von Pascal Couchepin in den Bundesrat gewählt zu werden.

Mehrere SP-Parlamentarier erklärten gegenüber der «SonntagsZeitung», dass sie nicht bereit seien, den CVP-Herausforderr Urs Schwaller zu wählen. Sein Versuch, mit politischem Entgegenkommen an die SP geschlossen hinter sich zu scharen ist offensichtlich misslungen.

Mit seinen immer deutlicher geäusserten Vorbehalten gegen den EU-Agrarfreihandel verärgerte Schwaller im Gegenteil die Genossen.

Insider gehen jetzt davon aus, dass über 20 links-grüne Parlamentarier im Gegensatz zu ihren Fraktionsmehrheiten Burkhalter und nicht Schwaller wählen werden. Der Freisinnige hätte damit am Mittwoch eine Mehrheit, wenn die SVP gleichzeitig ihrem Strategen Christoph Blocher folgt und ebenfalls Burkhalter wählt.

Toni Brunner lässt im Interview offen, ob die SVP am Dienstag oder am Mittwoch mit dem Freiburger Nationalrat Jean-François Rime noch einen eigenen Kandidaten ins Rennen um die Nachfolge von FDP-Bundesrat Pascal Couchepin schickt.

Stand heute sei es aber möglich, dass man darauf verzichte und FDP wähle. Wobei «unsere Präferenzen klar bei Lüscher liegen».

FDP-Bundesratskandidat Christian Lüscher stellt für sich selber klar: «Ich bin ein Aussenseiter. Das ist meine Rolle, und das ist sehr gut für mich», erklärte er gegenüber dem «Sonntag».

Erst galt er als Alibi-Bundesratskandidat, nun wird er zum Kronfavoriten der FDP: Der Genfer Nationalrat Christian Lüscher gibt sich im Interview mit der Zeitung jedoch zurückhaltend. «Ich bin ein ernsthafter Kandidat. Aber ich bin ein Aussenseiter. Das ist meine Rolle, und das ist sehr gut für mich. Lassen Sie mich Aussenseiter sein.»

Gleichzeitig gibt Lüscher zu erkennen, dass er sich vorbereitet hat auf seine Bundesratskandidatur. So hat er sich aus dem Libyen-Mandat seines Kanzlei-Partners, dem Gaddafi-Anwalt Charles Poncet, ausgeschlossen. «Ich erhalte in diesem Geschäft gar keinen Honoraranteil – keinen Rappen.» Und zwar seitdem er Bundesratskandidat sei.

Auch hat sich Lüscher im Juli einen aussenpolitischen Berater geholt, den Professor Alexis Keller, den Autor der «Genfer Initiative» zur Lösung des Nahostkonfliktes.

Lüscher weiss sehr wohl, dass er nicht dem Bild der herkömmlichen Bundesratskandidaten entspricht und fordert deshalb die Medien auf, etwas selbstkritischer zu sein: «Zuerst fordern sie neue Köpfe in der Regierung, und kaum entspricht einer nicht dem typischen Gemeinderatscliché im Standardanzug, legen sie los gegen ihn. Ein Typ wie ich beunruhigt die Medien: Es ist intellektuell ungemütlich, für Lüscher zu sein.»

Auch stört sich Lüscher daran, dass seine Affäre mit Lolita Morena für mehr Schlagzeilen sorgt als seine Politik. «Bevor ich Bundesratskandidat war, bezeichnete mich 'Le Temps' als einen der besten neuen Parlamentarier. Danach war Lüscher nur noch 'Bling-Bling, Glamour und Lolita'.»

Seine beiden Söhne jedenfalls lassen sich die Bundesratswahl nicht entgehen: «Sie werden am Dienstag vor der Bundesratswahl nach Bern kommen und in meinem Hotelzimmer am Boden übernachten. Denn ich habe kein freies Zimmer mehr für sie gefunden.»

Als sie von seiner Kandidatur erfahren haben, hätten sie ihm gesagt: «Papa, du bist total verrückt.»

(sf/halp)

Kommentare aktiv...

C. Wyss, Olten

Verfasst am: 16.9.2009 10:01

HaHa

bis jetzt vor dem 3. Wahlgang bin ich überzeugt,... mehr

Zustimmen — 1 Leser ist auch dieser Meinung.
Ablehnen

Heiklen Inhalt melden antworten

C. Wyss, Olten

Verfasst am: 16.9.2009 10:01

HaHa

bis jetzt vor dem 3. Wahlgang bin ich überzeugt,... mehr

Zustimmen
Ablehnen

Heiklen Inhalt melden antworten

M. Wurmdichnicht, Grabenschnecke

Verfasst am: 14.9.2009 13:38

Von der Geschichte gelernt:

Man hat was man hat und lieber den Spatz in der... mehr

Zustimmen — 4 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen

Heiklen Inhalt melden antworten

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen
Vielen Dank für Ihr Interesse! Mit dem Absenden eines Kommentars bestätigen Sie, dass Sie sich an die Netiquette halten. Ein grundsätzliches Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Beiträge, die nicht der Netiquette entsprechen, werden gelöscht. Der Wahrheitsgehalt der Beiträge wird nicht überprüft. Für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der geäusserten Meinungen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.

Bitte füllen Sie alle mit * markierten Felder aus.

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Um einen Leser-Kommentar zu verfassen, müssen Sie sich
.