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Studie über Jugendgewalt zeigt Beunruhigendes

Montag, 24. August 2009, 21:08 Uhr, Aktualisiert 25.08.2009, 8:53 Uhr

Ein Viertel aller St. Galler Jugendlichen im neunten Schuljahr haben bereits mindestens ein Mal eine Körperverletzung oder einen Raub begangen, an einer Gruppenschlägerei mitgemacht oder sexuelle Gewalt ausgeübt.

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Studie über Jugendkriminalität zeigt erschreckende Resultate

Das Kriminologische Institut der Universität Zürich befragte im Auftrag des Kantons St. Gallen 5200 Jugendliche aus 338 Klassen aller Schultypen des dritten Oberstufen-Schuljahrs. Professor Martin Killias und Studienleiterin Simone Walser stellten die Ergebnisse in St. Gallen vor.

Gemäss der repräsentativen Studie sind Gewalterfahrungen unter Jugendlichen weit verbreitet und um ein Vielfaches höher als dies aus Polizeistatistiken hervorgeht. 26 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal ein Gewaltdelikt begangen zu haben. 29 Prozent wurden schon einmal Opfer von krimineller Gewalt.

Dabei sind die Täter drei Mal häufiger männlich als weiblich. 73 Prozent aller Delikte werden im öffentlichen Raum begangen: auf der Strassen, auf Plätzen, an Bahnhöfen, Parties, in Restaurants oder Shopping-Centers. Nur jede sechste Gewalttat wird an einer Schule begangen. Für Killias und Walser ist dies vergleichsweise wenig.

Untersucht wurden auch Zusammenhänge zwischen Jugendkriminalität und Herkunft, Elternhaus, Nachbarschaft, Schulbindung, Freizeitverhalten, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Aktivität in Sportvereinen.

So sind Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger an Gewaltdelikten beteiligt. Mangelnde elterliche Kontrolle, häufiger abendlicher Ausgang und «Rumhängen» gehen ebenfalls mit erhöhter Delinquenz einher. Gleiches gilt für den Konsum von Alkohol und Drogen.

Jugendliche, die gerne zur Schule gehen, neigen gemäss der Studie weniger zu Gewalt und Kriminalität. Die St. Galler Justiz- und Polizeidirektorin Karin Keller-Sutter (FDP) und Erziehungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) sahen darin einen Ansatz für die Prävention.

In der umfassenden Online-Befragung, bei der 83 Prozent aller Jugendlichen des neunten Schuljahrs mitmachten, wurde auch nach der Aktivität in einem Sportverein gefragt. Die Antworten zeigten, dass «Sport nicht generell ein protektiver Faktor gegen Gewalt» ist, wie Studienleiterin Simone Walser ausführte.

So ist Sport bei Schweizer Jugendlichen mit weniger Gewalt, bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund hingegen mit erhöhter Gewalt verbunden. Kampfsportarten, Fussball oder Eishockey gehen mit erhöhter Gewalt einher. Umgekehrt sieht es beim Reiten, Kunstturnen, Schwimmen, Skifahren oder dem Radsport aus, die mit weniger Jugendgewalt verbunden sind.

Killias und Walser betonten, die Studie zeige zwar Korrelationen. Die Erforschung der Ursachen von Jugenddelinquenz sei aber viel komplexer. So wohnten Jugendliche mit Migrationshintergrund häufig in «schwierigen» Quartieren. Eine Rolle spielten Familienverhältnisse, Schule und Integration, und Migranten hätten Vorlieben für bestimmte Sportarten.

(sda/hesa)

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