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International

Mehr tote Briten in Afghanistan als im Irak

Samstag, 11. Juli 2009, 14:51 Uhr, Aktualisiert 13.07.2009, 8:50 Uhr

In Afghanistan sind binnen zehn Tagen 15 britische Soldaten ums Leben gekommen. Allein am Freitag gab das Verteidigungsministerium in London den Tod von acht Soldaten bekannt. Für die Briten war es einer der schwärzesten Tage seit Beginn des Einsatzes im Herbst 2001. Insgesamt wurden in Afghanistan bislang 184 Angehörige der britischen Truppen getötet - fünf mehr als im Irak.

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Grossoffensive in Afghanistan wenig erfolgreich

Die Kritik am Afghanistan-Einsatz wird in Grossbritannien lauter. «Wir haben unsere Soldaten im Stich gelassen», sagte Adam Holloway, Abgeordneter der oppositionellen Konservativen Partei und Mitglied im Verteidigungsausschuss. «Die Zahl der Todesopfer zeigt, dass wir es entweder richtig oder gar nicht machen sollten.»

Nach Holloways Meinung hatte Grossbritannien nie die Truppenstärke, um sich in Afghanistan zu behaupten. Die Soldaten hätten es nicht geschafft, wie versprochen für Sicherheit und Wiederaufbau zu sorgen. Das lasse viele Afghanen glauben, dass die Taliban den westlichen Truppen überlegen seien. «Wir sitzen in der Tinte», bilanzierte Holloway.

Dennoch halte sich der öffentliche Unmut über die Afghanistan-Strategie der Regierung noch in Grenzen. In Wootton Bassett, einer Kleinstadt westlich von London, trauerten die Menschen derweil um fünf Soldaten, die zwischen Samstag vergangener Woche und Dienstag in Afghanistan ums Leben gekommen waren. «Wir fragen uns, wie viele noch?» sagte Bürgermeister Steve Bucknell. «Jedes Mal beten wir, dass es der letzte (Tote) ist, wohl wissend, dass das wahrscheinlich nicht der Fall sein wird.»

Verteidigungsminister Bob Ainsworth und Premierminister Gordon Brown verweisen derweil auf die Bedeutung des Anti-Terror-Einsatzes am Hindukusch. Er spiele eine bedeutende Rolle für die Sicherheit Grossbritanniens, sagte Brown am Freitag.

Eine «Kette des Terrors» führe aus den Bergen und Dörfern Afghanistans in die Strassen Grossbritanniens. Auf dem G8-Gipfel seien sich alle einig gewesen: «Dies ist eine Aufgabe, der sich die Welt gemeinsam annehmen muss, und dies ist eine Aufgabe, die wir erfüllen müssen.»

Ähnlich äusserte sich Aussenminister David Miliband. Es müsse verhindert werden, dass Afghanistan wieder ein «Brutkasten für den Terror» werde, der als Ausgangspunkt für Anschläge im Westen genutzt werden könne, sagte Miliband der BBC.

Kritiker bemängeln vor allem die ihrer Meinung nach unzureichende Ausrüstung der britischen Truppen in Afghanistan. Insbesondere würden Hubschrauber benötigt. Dass es daran fehle, sei ein Skandal, sagte Oppositionsführer David Cameron.

Auch Charles Guthrie, ehemaliger Stabschef der britischen Streitkräfte, verwies darauf, dass die meisten Soldaten bei Bombenanschlägen auf der Strasse ums Leben gekommen seien.

Weil zu wenig Hubschrauber für den Truppentransport zur Verfügung stünden, müssten sich die Soldaten dieser Gefahr aussetzen. «Hätte es mehr (Helikopter) gegeben, wären höchstwahrscheinlich weniger Soldaten von Bomben getötet worden», sagte Guthrie der «Daily Mail».

Das britische Kontingent in Afghanistan umfasst etwa 8000 Soldaten. Sie kämpfen zurzeit vor allem in der Provinz Helmand im Süden des Landes gegen die Taliban.

(ap/stom)

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