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Bisher steht allerdings nur das strahlend weisse Modell-Exemplar im deutschen Kiel. Gemeinsam mit Architekten der Bauhaus-Universität in Weimar hat der Ingenieur Gerd Niemöller die Häuser, die innerhalb weniger Stunden aufgebaut werden können, entwickelt.
«Wir wollen den Ärmsten eine robuste, wetterfeste und menschenwürdige Unterkunft bieten», erklärt Niemöller. Pünktlich zur Fussball-Weltmeisterschaft im Sommer 2010 in Südafrika soll in der Nähe von Kapstadt eine kleine Vorzeigesiedlung mit etwa fünf Gebäuden stehen.
Ein Baum pro Haus
«Die Häuser bestehen zu 90 Prozent aus Luft», berichtet Niemöller. Das Geheimnis befinde sich in den Wänden. So hat der 58-Jährige ein spezielles Verfahren entwickelt, mit dem das in Kunstharz getränkte Papier unter hohem Druck und bei grosser Hitze in eine Wabenform gepresst wird.
Die Hohlraumkonstruktion biete in Verbindung mit den Abdeckplatten eine enorme Stabilität und sei zudem preiswert und extrem ressourcensparend. «Für den Bau eines Hauses brauchen wir gerade mal ein kleines Bäumchen.»
Die Kosten für ein 34 Quadratmeter grosses Objekt betragen 4000 Euro. Natürlich sei das für einen Slum-Bewohner noch immer unbezahlbar, räumt Niemöller ein. Deshalb führe seine Firma Gespräche mit Privatunternehmen und Hilfsorganisationen über Finanzierungsmöglichkeiten. Kontakte gebe es nach Indien, Thailand oder Lateinamerika, aber auch direkt zu den Regierungen von Kenia, Lesotho und Uganda.
Bedürfnisse von Slumbewohnern berücksichtigt
Entwickelt wurde der Prototyp des Hauses von dem Weimarer Architektur-Professor Dirk Donath. Ein halbes Jahr arbeitete er gemeinsam mit zwei Studenten der Bauhaus-Uni an dem Modell. «Dabei haben wir soziale und kulturelle Aspekte besonders berücksichtigt», sagt der 48-Jährige, der sich derzeit für ein akademisches Austauschprojekt in Äthiopien befindet.
So wurden die Sanitäranlagen, in denen auch häufig geschlachtet wird, separat am Haus installiert, und statt kleinteiliger Zimmer ein grosser Lebens- und Schlafraum konzipiert. Hinzu kommt eine aufklappbare Aussenwand, die einerseits als Sonnenschutz fungiert und andererseits die strikte Trennung zwischen Aussen- und Innenraum aufhebt.
Die Idee für das Haus hatte Niemöller während eines Urlaubs in Kenia. Dort sah er zum ersten Mal die Blechhütten und katastrophalen Lebensumstände zahlreicher Slumbewohner. «Man muss kein Gutmensch sein, sondern einfach nur ein bisschen Mensch, um zu sagen: Da muss man was tun», erklärt Niemöller.
Nicht nur Häuser auch Arbeitsplätze
Nach dem Wunsch von Niemöller sollen in den nächsten Jahren mobile Firmen in Elendsvierteln auf der ganzen Welt im Einsatz sein, um direkt an Ort und Stelle zunächst die Wabenkonstruktionen und dann die Häuser zu errichten.
«Wir wollen die passenden Maschinen liefern und schaffen in den Regionen vorübergehend Arbeitsplätze», erklärt er. «Viele Millionen Menschen leben ohne feste Behausung, vielleicht können wir wenigstens einigen von ihnen ein lebenswertes Heim bieten.» Aber auch in Flüchtlings- und Katastrophengebieten könnten seine stabilen Pappkonstruktionen wertvolle Hilfe leisten.
The Wall AG hat ihren Sitz in Schaffhausen (SH) und betreibt eine deutsche Niederlassung in Ratingen bei Düsseldorf und Produktionsanlagen in Kiel-Altenholz.
(sda/kokb)
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