Vermischtes
Facebook und Twitter sind wie Zuckerwatte
Der psychologische Druck der Vernetzung
45 Prozent der Amerikaner aller Altersgruppen sind begeistert dabei, sich am Computer und über mobile Geräte miteinander zu vernetzen. Gleichzeitig ist das aber 48 Prozent der Bevölkerung völlig gleichgültig. Und immer mehr Menschen zweifeln laut einer Studie an der Sinnhaftigkeit der «Social Networks».
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Wochenlang ist Eily Toyama von ihren Freunden gedrängelt worden, endlich bei Facebook mitzumachen. Aber für ihren Account nahm sie nicht ihren eigenen Namen, sondern den ihrer Katze. Jetzt sagen ihr alle, sie solle sich doch auch bei Twitter anmelden. Aber darauf sollte man sie besser nicht ansprechen.«Ich glaube einfach nicht, dass die Leute so viel über mein Leben wissen müssen», sagt die 32-jährige IT-Expertin in Chicago.
Eily Toyama ist «sociability-müde», hat genug vom ständigen Vernetzen und täglichen Mitteilungen persönlicher Befindlichkeiten. Und diese Müdigkeit ist nicht nur bei Älteren zu spüren, die den grössten Teil ihres Lebens nicht im Netz verbracht haben.
Auch viele Jüngere, die erst das gewaltige Wachstum der «Social Networks» auf den Weg gebracht haben, wollen jetzt erst mal wieder kürzer treten.
Der Student Mike Nourie vom Emerson College in Boston sagt, er habe sich richtig erleichtert gefühlt, als er in einem Wirtshaus auf Cape Cod gearbeitet habe, wo die Internet-Verbindung sehr schlecht gewesen sei. «Das gab mir die Chance zu entspannen und mich auf andere Dinge zu konzentrieren wie Musik, Arbeit und Freunde», sagte der 20-Jährige.
Alex Slater ist im vergangenen Monat noch einen Schritt weiter gegangen. Er löschte seinen Twitter-Account und reduzierte die Informationen seines Facebook-Profils auf ein Minimum. Obwohl er bei Facebook mehr als 600 «Freunde» hat, schaut er dort jetzt viel seltener vorbei.
Der 31-jährige PR-Manager aus Washington betrachtet Facebook als einen «menschlichen Zoo, wo das Leben von anderen Menschen mit oft ernsten Problemen nur der Unterhaltung dient».
Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Pew Internet & American Life Project fand heraus, dass 45 Prozent der Amerikaner aller Altersgruppen begeistert dabei sind, sich am Computer und über mobile Geräte miteinander zu vernetzen. Gleichzeitig ist das aber 48 Prozent der Bevölkerung völlig gleichgültig.
Am interessantesten ist aber vielleicht die Weder-Noch-Gruppe mit einem Anteil von 7 Prozent. Die Studie bezeichnet sie als «Ambivalente Netzwerker» (Ambivalent Networkers). Sie sind nur deswegen in Social Networks unterwegs, weil sie Angst haben, etwas zu verpassen. «Sie sind besorgt, wenn sie sich ausklinken», sagt der Autor der Studie, John Horrigan. «Aber wir stellen fest, dass sie sich nach einer Pause sehnen.»
Gary Rudman, der beim Beratungsunternehmen GTR Consulting über Jugendtrends forscht, hat eine ähnliche Tendenz ausgemacht. Junge Erwachsene stünden unter dem Druck mannigfaltiger Vernetzungsverpflichtungen: «Mit Facebook, LinkedIn, Plaxo und Twitter kämpfen sie gegen die sonst drohenden Konsequenzen an: aus der Schleife herauszufallen oder irrelevant zu werden.» Die Folge sei zwangsläufig eine gewisse Ermüdung.
Jennavieve Bryan, 25-jährige Studentin der Golden Gate University in San Francisco, hält dem Druck bislang Stand. Sie räumt ein, dass sie machmal einen Hauch von Eifersucht empfindet, wenn sie sieht, wie sauber geordnet das Leben ihrer Freunde auf ihren Profilseiten erscheint.
Aber sie denkt, das sei zu viel Aufwand für einen zu geringen Ertrag. «Wenn meine Freunde erfahren, dass ich keine Seite bei MySpace oder - Gott behüte - bei Facebook habe, dann schauen sie mich an, als ob ich aus unserem sozialen Kreis ausgeschlossen werden sollte.»
Menschen sind neurologisch so angelegt, dass sie sie nach Vernetzung streben, online wie offline, erklärt der Professor für Neurowissenschaften an der Universität Richmond, Craig Kinsley. Aber ihr Gehirm macht auch Unterschiede bei der Qualität der Interaktion. «Viele flüchtige Kontakte können beim User das Bedürfnis nach einem tieferen Austausch mit grösserer Bedeutung wecken», sagt Kinsley. «Das ist wie bei Zuckerwatte. Wenn man zum Kern gelangt, merkt man, dass nicht viel Substanz da ist.»
Ein gutes Gespräch mit einem guten Freund gebe viel mehr Bestätigung als ein paar Zeilen mit einem Smilie, die jeder lesen könne. Und so gibt es in den USA offenbar schon wieder einen Gegentrend.
Paul Herrerias, Geschäftsführer der Personalberatungsfirma Stanton Chase in San Francisco, ist stolz auf seinen «CEO Club», ein Treffen beim Frühstück, das einmal im Monat stattfindet.
«Wir könnten das auch online machen», sagt Herrerias. «Aber was die Leute am meisten daran schätzen, ist das gemeinsame Frühstück und dass sie sich in die Augen schauen können.»
(agenturen/halp)
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B. Scheidegger, Bern
Verfasst am: 15.4.2009 10:57
S. M.
Da ich meine Kameraden nicht wie Sie in rissiger... mehr
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S. M., Bern
Verfasst am: 15.4.2009 10:35
Ich klinke mich hier mal aus.
Es ist der IT noch nie gut bekommen,... mehr
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S. M., Bern
Verfasst am: 15.4.2009 10:25
@r. Fauser
Und anscheinend finden Sie auch nur mit dem... mehr
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