International
NATO-Proteste: Rauch über Strassburg
Demonstranten setzen Hotels in Brand
Der NATO-Jubiläumsgipfel in Strassburg ist von den schwersten Krawallen gegen ein internationales Spitzentreffen seit langer Zeit überschattet worden. Militante NATO-Gegner haben in Strassburg Brandsätze in Hotels und mehrere andere Gebäude geworfen. Im zwei Hotels brach Feuer aus. Von mehreren anderen Stellen der Stadt stieg dichter Rauch auf.
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Zuvor hatten Beamte Demonstranten mit Tränengas abgedrängt, als sie zum Gipfelgelände in der Innenstadt gelangen wollten. Auf der deutschen Seite demonstrierten Tausende Menschen friedlich gegen die Politik der NATO-Staaten.
Bei den Randalierern in Strassburg handelte es sich um Mitglieder des schwarzen Blockes, der für seine gewalttätigen Aktionen bei Demonstrationen bekannt ist. Sie besprühten das Zollhäuschen mit Farbe. Einige riefen auf Französisch: «Tötet Sarkozy! Tötet Obama!». Die beiden Staatschefs waren unter den Teilnehmern des NATO-Gipfels, bei dem das 60-jährige Bestehen des Bündnisses gefeiert wurde.
Zuvor setzte die französische Polizei erneut Tränengas gegen Demonstranten ein. Hunderte Randalierer versuchten, in die Innenstadt zu gelangen und warfen Molotow Cocktails, Steine und Flaschen. Nahe der Europabrücke wurden Sicherheitskräfte mit Holzlatten und Steinen angegriffen. Die Randale begannen schon am frühen Morgen.
Dabei gab es 25 Festnahmen. Bereits um 4.00 Uhr morgens machten sich insgesamt etwa 1800 Demonstranten von ihrem Camp aus auf den Weg. Die NATO-Gegner versuchten, die Zufahrtsstrassen zum Kongresszentrum zu blockieren. Über Verletzte war zunächst nichts bekannt. Die Tagung wird von Tausenden Polizisten abgesichert.
Auf der deutschen Seite in der Grenzstadt Kehl war es ruhig. Kurz vor dem Festakt auf der Fussgängerbrücke zwischen Kehl und Strassburg wurden mehr als 20 Personen von der Polizei aus dem Fluss gefischt. Sie seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Bei den Schwimmern handelte es sich offenbar um Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace.
Am Mittag begann der vorverlegte baden-württembergische Ostermarsch mit einer Kundgebung in Kehl. Der anschliessende Zug sollte eigentlich über die Europabrücke nach Strassburg führen, wurde jedoch von der deutschen Polizei gestoppt, die mit vielen Hunderten Beamten allein die Demonstration begleitete. Dabei protestierten nach Polizeischätzungen bis zu 6000 Menschen friedlich gegen den Gipfel. Beteiligt waren auch linke Gruppen und Gewerkschaften. Nach Veranstalterangaben versammelten sich zwischen 8000 and 10'000 Menschen auf der deutschen Seite.
Für die Zeit des Gipfels hat Frankreich die Grenzkontrollen wieder eingeführt, die wegen des Abkommens von Schengen eigentlich abgeschafft sind. Sollten die Demonstranten aus Deutschland aufgehalten werden, gibt es in Kehl eine Ausweichroute, wie ein deutscher Polizeisprecher sagte. Die Polizei zog in der Grenzstadt massiv ihre Kräfte zusammen. In Seitenstrassen parkten Wasserwerfer und Räumpanzer.
Bereits am Freitag verlief eine Demonstration von etwa 500 Friedensaktivisten in Baden-Baden friedlich. Die Organisatoren gaben den Behörden die Schuld, dass viel weniger Demonstranten kamen als erwartet. In Strassburg gibt es anders als in Deutschland seit Donnerstag immer wieder Zusammenstösse mit der französischen Polizei. Am Freitag warfen etwa Demonstranten Feuerwerkskörper, so dass zwei Polizisten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden mussten.
(ap/widb)
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