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Psychologe: Amokläufer wollen ins Rampenlicht

Mittwoch, 11. März 2009, 15:54 Uhr, Aktualisiert 17:41 Uhr

Junge Amokläufer wollen sich nach Ansicht des Psychologen Georg Pieper unbedingt ins Rampenlicht rücken. «Sie wissen vorher, dass sie eine Riesen-Aufmerksamkeit bekommen, dass alle Welt auf sie sieht», sagt Pieper.

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«Ein Mal erleben, dass man im Mittelpunkt steht und sehr viel bewirken kann: Das ist eine immense Versuchung für einen Menschen, der wenig Selbstwertgefühl hat», sagt der 55-jährige Experte.

Pieper kümmert sich seit den 1980er-Jahren um Opfer schwerer Unglücke wie der ICE Katastrophe von Eschede oder deutsche Geiselopfer im Libanon. Der Trauma-Experte organisierte nach dem Amoklauf in Erfurt im Jahr 2002 auch die Betreuung der Schüler des Gutenberg-Gymnasiums.

Nach dem Amoklauf im schwäbischen Winnenden sollten die überlebenden Schüler möglichst schnell psychologisch betreut werden, erklärt Pieper. «Es geht akut darum, die Schockzustände und das vollkommen aus den Fugen geratene Sicherheitsgefühl der Betroffenen aufzufangen - damit sie nicht ganz in Panik abdriften.»

Auch sollte den Schülern die Möglichkeit gegeben werden, sich untereinander auszutauschen. «Die ganze Schulgemeinschaft wird geschockt sein.»

Untersuchungen nach Amokläufen in den USA und Deutschland hätten ergeben, dass die Täter häufig ein ähnliches Muster zeigten, berichtet der Psychologe. «Oft sind es Jugendliche, die isoliert gelebt haben, die gewisse soziale Schwierigkeiten hatten.»

Der beste Schutz sei daher eine gesunde Beziehung zu mindestens einem Erwachsenen, der für den Jugendlichen Werte vertritt: «Dann hat man so etwas wie einen Halt, eine Verbindung zur Gesellschaft, die sonst häufig verloren geht.»

Die meisten Amokläufer beschäftigten sich zudem intensiv mit Gewaltfantasien, sagt Pieper. Häufig komme dann ein Bruch in Schulkarriere oder Ausbildung hinzu.

«Aber auch wenn ein Amokläufer mit einem Abschluss von der Schule abgegangen ist, können zum Beispiel noch offene Rechnungen bestehen - etwa Kränkungen, die er nicht verarbeitet hat.» Wichtig sei auch der Zugang zu Waffen: «Wenn keine Waffen da sind, kommt man nicht so leicht auf eine solche Idee.»

(ap/widb)

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