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International

Führer der Roten Khmer vor Gericht

Sonntag, 15. Februar 2009, 15:44 Uhr

Erster Prozess vor Kriegsverbrecher-Tribunal

Am Dienstag beginnen vor dem Völkermord-Tribunal in Kambodscha die Prozesse gegen Verantwortliche der Roten Khmer. Dem Regime fielen zwischen 1975 und 1979 über zwei Millionen Menschen zum Opfer. Menschenrechtler zweifeln jedoch an der Unabhängigkeit des Tribunals.

Kaing Guek Eav, links und rechts von ihm zwei Polizisten.
Der frühere Khmer Führer Kaing Guek Eav bei einer Anhörung vor dem Völkermord-Tribunal im Dezember 2008. (reuters)

Viele Jahre glaubten seine Opfer, er sei längst tot: Als die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha 1979 stürzte, verschwand Kaing Guek Eav, einer ihrer brutalen Anführer. Doch vor zehn Jahren wurde Kaing Guek Eav festgenommen. Ein Fotograf hatte den Totgeglaubten entlarvt.

Ab Dienstag muss sich Kaing Guek Eav als erster von fünf Angeklagten vor dem UNO-Sondertribunal in Phnom Penh für seine Verbrechen während der Zeit der Roten Khmer verantworten. Die Anklage wirft ihm Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verstösse gegen das damals geltende Strafgesetz vor.

Der 66-Jährige war Leiter des Foltergefängnisses Tuol Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh, wo zwischen 1975 und 1979 16‘000 Menschen zu Tode kamen. Insgesamt starben während der Herrschaft der Roten Khmer zwei Millionen – ein Viertel der damaligen Bevölkerung.

Vor Gericht stehen vier weitere Verantwortliche der Roten Khmer. Zusätzliche Klagen hatte ein kambodschanischer Staatsanwalt abgelehnt. «Das Land brauche Aussöhnung», hiess es.

Das von der UNO und Kambodscha eingerichtete Völkermord-Tribunal steht wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck. Menschenrechtsorganisationen äussern Zweifel an der Unabhängigkeit des Tribunals.

Das Tribunal hat auf kambodschanischen Druck hin mehrheitlich kambodschanische Richter. Diese gelten als korruptionsbereit, schlecht geschult und abhängig. «So lange diese Anschuldigungen nicht untersucht und aus dem Weg geräumt werden, steht die Integrität des Tribunals als legitimes und unabhängiges Gericht in Frage», schreibt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

(agenturen/meip)

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