International
Mit voller Militärmacht in den Gazastreifen
Bislang über 500 Todesopfer und über 2400 Verletzte
Update folgt Israel setzt jetzt seine gesamte Militärmacht gegen die Hamas im Gazastreifen ein. Nach einwöchigen Luftangriffen rückten am Wochenende Panzer und mehrere tausend Soldaten in das palästinensische Gebiet ein. Kriegsschiffe nahmen Ziele in der Stadt Gaza unter Beschuss.
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In der Zivilbevölkerung kamen nach Angaben von Ärzten mindestens 31 Palästinenser ums Leben. Die Zahl der Toten seit Beginn der Offensive am 27. Dezember stieg auf mehr als 500, darunter mindestens 100 Zivilpersonen. Mehr als 2400 Personen wurden verletzt.
Nach Angaben eines Militärsprechers wurden ein israelischer Soldat getötet und über 30 verletzt. Vier Israelis waren in der vergangenen Woche durch Raketenangriffe aus dem Gazastreifen getötet worden.
Mit Einbruch der Dunkelheit stiessen die israelischen Truppen am Samstagabend an drei Stellen über die Grenze vor. Grenznahe Ziele im Gazastreifen wurden von schwerer Artillerie unter Beschuss genommen. Gleichzeitig griffen Kampfflugzeuge und die Marine an.
Ein Schwerpunkt der Bodenoffensive war die Ortschaft Beit Lahija im nördlichen Gazastreifen. Acht Bewohner kamen nach Angaben von Ärzten bei einem Artillerieangriff ums Leben. Bereits am Samstag wurde eine Moschee der Ortschaft aus der Luft bombardiert. Dabei kamen nach palästinensischen Angaben 13 Menschen ums Leben.
Die israelischen Truppen konzentrierten sich zunächst darauf, ländliche Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Es kam zu heftigen Gefechten mit Hamas-Kämpfern, deren Stärke auf rund 20'000 Mann geschätzt wird. Auf Seiten der Hamas kamen mindestens vier Kämpfer ums Leben; die israelischen Streitkräfte nannten eine Zahl von 30 Verletzten in den eigenen Reihen.
Eine Einheit der Infanterie stiess südlich von Gaza-Stadt bis zur ehemaligen jüdischen Siedlung Netzarim vor. Dadurch wurde die 400'000 Einwohner zählende Stadt vom übrigen Gazastreifen abgeschnitten.
Ein Militärsprecher sagte, der Einsatz könne viele Tage andauern. Ziel der Armee sei es, jene Gebiete zu kontrollieren, aus denen die meisten Raketen auf Israel abgefeuert worden seien, sagte Ministerpräsident Ehud Olmert.
Weiter erklärte er, dass die Offensive erhebliche Risiken berge. Israel könne aber nicht länger zulassen, dass die eigene Bevölkerung immer wieder das Ziel von Raketen aus dem Gazastreifen sei. «Diese Operation war unvermeidlich», sagte Olmert.
In Gaza stand in der Nacht zum Sonntag der von der Hamas betriebene Rundfunksender Al Aksa nach einem Raketentreffer in Flammen. Das Gebäude war bereits zu Beginn der Luftangriffe evakuiert worden.
Die Hamas kündigte entschiedenen Widerstand gegen den Truppenvorstoss an und erklärte am Sonntagmittag, sie habe die Stadt Gaza weiter unter Kontrolle. «Ihr seid reingekommen wie Ratten», sagte der Hamas-Sprecher kurz nach Beginn der Invasion über das Al-Aksa-Fernsehen, das weiter einen versteckten Sender betreibt. «Gaza wird zum Friedhof für euch werden.»
Der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen dauerte trotz der Bodenoffensive weiter an, im Süden Israels schlugen am Sonntag mehr als 30 Raketen und Mörsergranaten ein.
International wurde die israelische Bodenoffensive von vielen Regierungen verurteilt. Es gab aber auch Stimmen, die Hamas-Organisation allein für die Eskalation der Gewalt verantwortlich machten.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte das sofortige Ende der Kämpfe. In einem Telefonat mit Olmert äusserte er sich extrem besorgt und enttäuscht.
(sda/bosy/bosl)
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