International
Milchskandal: 50'000 Babys krank
China will Panscher hart bestrafen
In China sind nach neuesten Angaben der Behörden insgesamt mehr als 50'000 Babys durch chemisch verseuchte Milchprodukte erkrankt. Fast 13'000 Kleinkinder mussten in Kliniken behandelt werden, teilte die Regierung in Peking mit. Im Skandal um die verseuchten Milchprodukte wolle man hart durchgreifen.
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104 von den erkrankten Kleinkindern zeigten neuesten Angaben zufolge schwere Krankheitssymptome. 1579 der bislang landesweit 12'892 stationär behandelten kleinen Patienten hätten die Kliniken inzwischen wieder verlassen können, hieß es.
Ausserdem seien seit Bekanntwerden des Milchskandals in ganz China 39'965 erkrankte Kinder ambulant versorgt worden. Vier Babys sind bislang an Nierensteinen gestorben, die sich durch die der Milch beigemischte giftige Chemikalie Melamin gebildet hatten.
Der Staatsrat kündigte drastische Strafen für die Verantwortlichen und schärfere Kontrollen in der Milchindustrie an. Die chinesische Regierung will die gesamte Molkerei-Industrie des Landes überprüfen.
Lokale Behörden wurden aufgefordert, grundlegende Änderungen im Milchmarkt und bei Molkereiprodukten herbeizuführen. In einem Papier des Staatsrats hiess es, es solle zugleich sichergestellt werden, dass die Bevölkerung mit ausreichend heimischen Milchprodukten versorgt wird. Dies berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Der Staatsrat versprach nach seiner Krisensitzung, die für den Lebensmittel-Skandal verantwortlichen Hersteller, Kontrollbehörden und Funktionäre zu bestrafen. Das grösste Augenmerk sei jedoch auf die Rettung erkrankter Kinder gerichtet. Die Kontrolluntersuchungen in ländlichen Gegenden sollen ausgeweitet werden.
Spitäler seien angewiesen, kostenlose Checks und Behandlungen anzubieten.
Präsident Hu Jintao warf Parteikadern schwere Versäumnisse vor. Sie hätten den Sinn für «Prinzipien, Allgemeinwohl und Verantwortung» verloren, sagte Hu laut der staatlichen «Volkszeitung».
Eine Reihe von «ernsthaften Unfällen» bei der Lebensmittelsicherheit hätten in diesem Jahr dem Leben und der Gesundheit der Chinesen stark geschadet, sagte Hu auf einer Veranstaltung der Kommunistischen Partei, wie die «Volkszeitung» berichtete.
Er forderte seine Partei auf, sich für das Wohl der Bevölkerung einzusetzen. Die chinesischen Konsumenten sind in heller Aufregung, seit die Industriechemikalie Melamin zunächst in Milchpulver für Babynahrung und schliesslich auch in Milch, Joghurt und Eis der drei grössten Milchproduzenten des Landes entdeckt worden war.
Durch den Stoff, mit dem ein höherer Eiweissgehalt vorgetäuscht werden soll, starben in China bereits vier Säuglinge.
Erstmals wurde am Wochenende ein Krankheitsfall aus der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong bekannt. Dort diagnostizierten die Ärzte einen Nierenstein bei einem dreijährigen Mädchen. Das Kind bekam über 15 Monate lang aus dem verseuchten Pulver hergestellte Milch zu trinken.
Nach Singapur stellten auch Malaysia, Brunei, Tansania und Gabun den Import und den Verkauf von chinesischer Milch ein. Burma kündigte an, importiertes Milchpulver beschlagnahmen und vernichten zu lassen.
Eine japanische Firma rief tausende Brötchen zurück, die mit Milch aus China gebacken worden waren.
«Bis zum heutigen Tag ist keine Milch aus China auf europäischem Gebiet entdeckt worden», teilten die französischen Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Wirtschaft mit. China habe vor einer Woche bestätigt, dass keine Milchprodukte nach Europa ausgeführt wurden.
Auch den Schweizer Konsumenten droht nach Einschätzung der Eidg. Zollverwaltung keine Gefahr, da aus China weder Milch- noch Molkereiprodukte importiert werden, wie der zuständige Sachverwalter bei der Oberzolldirektion der Nachrichtenagentur SDA sagte.
(ap/sda/reuters/halp)
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