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International

Flüchtlinge treffen in Russland ein

Sonntag, 10. August 2008, 21:14 Uhr

Viele stehen unter Schock

Sie sind um ihr Leben gerannt, haben Haus und Familie verlassen und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Mehrere hundert Flüchtlinge aus dem neuen Krieg im Kaukasus treffen am Sonntag in Wladikawkas ein, der Hauptstadt der zur Russischen Föderation gehörenden Republik Nordossetien.

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«Die Georgier haben alle unsere Häuser verbrannt», klagt eine alte Frau, die mit drei anderen Flüchtlingen unter einem Baum auf einer Bank sitzt. Sie versteht kaum, worum es in dem Konflikt eigentlich geht: «Die Georgier sagen, das ist ihr Land. Aber was ist dann unser Land? Wir wissen es nicht.»

Viele Flüchtlinge sind stundenlang zu Fuss unterwegs gewesen. Sie haben sich in den Wäldern versteckt und im Freien geschlafen. Marina Dudayeva, eine junge Frau aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali hat den weiten Weg nur mit einem Paar leichter Sandalen zurückgelegt und es am Sonntag bis zu einem Sommerlager bei Alagir geschafft, gleich hinter der Grenze zwischen Süd- und Nordossetien.

Jetzt sorgt sie sich um ihre Familie, die zurückgeblieben ist. «Wir können keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen», sagt sie mit verschränkten Armen vor der Brust.

Viele der Flüchtlinge sind noch wie unter Schock. Sie haben sich auf einem zentralen Platz in Wladikawkas versammelt und warten darauf, nach Anapa gebracht zu werden, einem Badeort am Schwarzen Meer.

Die 43-jährige Lehrerin Sema Kulumbegowa berichtet, dass sie sich mit ihrem Mann und den Kindern im Alter von 11 bis 14 Jahren zunächst im Weinkeller ihres Hauses in Zchinwali versteckt habe.

In den ersten Tagen hätten die Schiessereien immer nur ein paar Stunden gedauert. Am Freitagmorgen seien die Kämpfe dann aber immer heftiger geworden. Dabei habe eine Rakete das Haus ihrer Nachbarn getroffen, das in Flammen aufgegangen sei. «Es ist ein Wunder, dass wir nicht alle getötet wurden», sagt Kulumbegowa.

Ihr Mann, ebenfalls Lehrer, wollte nicht fliehen, ebensowenig wie ihr 90 Jahre alter Vater. So habe sie einen Verwandten mit einem Auto um Hilfe gebeten und mit ihren drei Töchtern Ina, Lina, und Marina zunächst in ein Nachbardorf gefahren.

Aber als dort georgische Panzer aufgetaucht und gefeuert hätten, sei ihre Flüchtlingsgruppe mit zwei Autos weitergefahren. Bei der Fahrt durch einen Wald seien sie beschossen worden, berichtet Kulumbegowa. Sie und ihre Töchter seien zwischen die Bäume gerannt und hätten sich zu Boden geworfen, bis die Schiesserei aufgehört habe. Als sie zur Strasse zurückkehrten, waren ihre Autos zerstört.

Daraufhin sei sie mit den Mädchen zur nächsten Siedlung gelaufen, berichtet die Lehrerin weiter. Als sie beim Geräusch von Schüssen wieder gerannt seien, seien sie von einer Gruppe georgischer Soldaten ausgelacht worden. Schliesslich erreichten sie ein Dorf, in dem Busse bereitstanden, um Flüchtlinge über die Berge nach Russland zu bringen. In Wladikawkas seien sie zunächst zu einem entfernten Verwandten gezogen. Dort sei es aber bald zu eng geworden, weil bereits andere Flüchtlinge dort untergekommen waren.

Ihr Vater sei noch am Leben, berichtet Kulumbegowa. Er sei aber sehr verbittert über alles, was geschehen sei. «Er hat die Georgier immer als unsere Brüder bezeichnet», sagt die 43-Jährige. «Das macht er jetzt nicht mehr.» Viele Südosseten, die früher für eine Vereinigung mit Georgien gewesen seien, hätten ihre Meinung nach dem Angriff auf Zchinwali geändert. «Wenn man einen Hund schlägt, läuft er davon», sagt Kulumbegowa. «Wenn wir ein Teil von Russland werden, dann werden wir es besser haben als jetzt.»

(ap/bosl)

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