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International

Spanien feiert EURO-Fiesta

Sonntag, 29. Juni 2008, 17:27 Uhr, Aktualisiert 01.07.2008, 0:05 Uhr

Iberer machen die Nacht zum Tag

Überschäumende Freude in Spanien nach dem Gewinn der Fussball-Europameisterschaft: Hunderttausende Menschen haben in der Nacht den Triumph ihrer Selección gefeiert. Katerstimmung herrschte hingegen bei deutschen Fussballfans: Sie verliessen am Sonntagabend niedergeschlagen die Fanmeilen, von Feierstimmung keine Spur.

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Umjubelter Europameister
Video Spanien feiert EURO-Fiesta Umjubelter Europameister (01.07.08)
Video Umjubelter Europameister Spanien feiert EURO-Fiesta (30.06.08)

König Juan Carlos, der das Endspiel auf der Ehrentribüne im Wiener Ernst-Happel-Stadion miterlebt hatte, sagte dem spanischen TV-Sender Cuatro: «Ich freue mich für Spanien, für die Burschen von unserer Nationalelf, für alle. Wir mussten leiden, aber es hat sich gelohnt.»

König war gerührter als die Spieler

Juan Carlos berichtete auch von einem «sehr bewegenden» Besuch bei den Spielern in der Umkleidekabine des Ernst-Happel-Stadions. «Der König war noch gerührter als wir», schilderte Kapitän Iker Casillas die Begegnung.

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagte: «Ich bin stolz, als erster Regierungschef seit der Wiedereinführung der Demokratie in Spanien einen EM-Titel feiern zu können.» Beim bisher einzigen EM-Gewinn Spaniens im Jahr 1964 herrschte in dem Land noch das Regime des Diktators Francisco Franco.

Jubel und Warnschüsse

Von Santiago de Compostela im Nordwesten des Landes bis Almería im Südosten zelebrierten die Fussballfans den Triumph. In vielen Städten hatten Spanier die Übertragung des Spiel auf Grossleinwänden miterlebt.

Das Zentrum der Feiern war der Kolumbus-Platz in Madrid. Auf der Plaza de Colon bejubelten Zehntausende den Erfolg. In der Nähe des Thyssen-Museums gaben Polizisten drei Warnschüsse ab, um überbordende Freudenfeiern zu unterbinden.

Spaniens Torjäger bittet um tosenden Empfang

Auf der zentralen Plaza Colón, wo 35'000 Menschen das Spiel beim Public Viewing verfolgt hatten, schwenkten viele Fans rot-gelbe Nationalflaggen.

Torjäger David Villa, der beim Finale verletzungsbedingt nicht spielen konnte, rief die Fans im Fernsehen auf, die Mannschaft bei ihrer Heimkehr mit dem Pokal am Montag in Madrid zu begrüssen.

Angesichts der Temperaturen von fast 30 Grad auf dem Colón-Platz versprühten Feuerwehrleute Wasser, um die erhitzten Fans abzukühlen.

Auch Katalanen feiern

In Barcelona gingen tausende Menschen auf die Strassen, um den EM-Titel zu feiern. Die von katalanischen Nationalisten dominierte Stadtverwaltung hatte es abgelehnt, eine Fanzone mit Grossbildleinwänden wie in anderen spanischen Städten einzurichten. Viele Bewohner Barcelonas hatten das Spiel deshalb daheim oder in Lokalen verfolgt.

Nach dem Ende des Spiels kam es aber zu spontanen Freudenfeiern, unter anderem in der bekannten Fussgängerzone Las Ramblas.

Festnahmen deutscher Fans in Wien

In Wien konnten einzelne deutsche Fans ihre Enttäuschung nicht im Zaum halten. Zehn von ihnen wurden nach Sachbeschädigungen in Aussenquartieren von der Polizei festgenommen.

In der Fanzone der österreichischen Hauptstadt begannen in der Nacht bereits die Abbauarbeiten. Sie konnten sogar früher beginnen als geplant. Zwar war die Sperrstunde in der Fanzone auf 02.00 Uhr verlängert worden, doch nach 00.30 Uhr leerte sich das Gelände zusehends, weshalb die Fanzone um 01.00 Uhr geschlossen wurde.

In den deutschen Fanmeilen waren die Leute traurig, aber friedlich. Einzig in Magdeburg zogen nach Spielende rund 100 Randalierer durch die Innenstadt, zündeten Abfallcontainer an und warfen Steine und Flaschen auf Polizisten.

In den meisten deutschen Städten waren die Public-Viewing-Gelände aus allen Nähten geplatzt und mussten lange vor Spielbeginn geschlossen werden; allein in Berlin drängten sich rund um das Brandenburger Tor rund 500'000 Menschen.

Triumphierende Spanier auch in Berlin

Niedergeschlagen und enttäuscht verliessen die Fans die Berliner Fanmeile - die grösste in Deutschland. Nur einige triumphierende Spanier schwenkten ihre Fahnen und feierten.

Die Polizei meldete 17 Festnahmen überwiegend wegen Körperverletzung. In zwei Fällen war der Hitler-Gruss gezeigt worden. Die Fanmeile an der Strasse des 17. Juni war für das Finale nicht verlängert worden. Sie bekam aber eine zusätzliche vierte Leinwand.

Überwiegend gelassene Enttäuschung herrschte in Hamburg, wo sich insgesamt etwa 70'000 Fans das Spiel auf öffentlichen Plätzen angeschaut hatten. Allein auf dem im Stadtteil St. Pauli gelegenen Heiligengeistfeld versammelten sich 42'000 Menschen. Zwischenfälle nach dem Abpfiff registrierte die Polizei zunächst nicht.

Ruhige Stimmung in München

Überwiegend ruhig blieb es auch in München, wo 50'000 Fans das Spiel im Olympia-Stadion verfolgt hatten. Nach dem Ende des Matches spazierten etwa 10'000 Fussball-Anhänger niedergeschlagen über die Leopoldstrasse. Nach Polizeiangaben gab es weder Zwischenfälle noch grössere Autokorsos.

Ruhe auch in Nürnberg und Stuttgart, wo 80'000 Fans auf den Strassen unterwegs waren, darunter etwa 3'000 Spanier.

In Frankfurt zerstreute sich die Menge rasch, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Fans gingen «gesittet» nach Hause. In der Innenstadt waren mehrere zehntausend Menschen unterwegs, darunter mehrere tausend Spanier. In der Commerzbank-Arena hatten sich fast 51'000 Fans das Spiel angeschaut.

Fanfest am Montag am Brandenburger Tor

In der Fanzone in der Wiener Innenstadt verfolgten laut Polizei rund 68'000 Gäste das EM-Endspiel zwischen Deutschland und Spanien. Zwischenfälle habe es bislang nicht gegeben, sagte ein Sprecher. Die Behörden hatten zuvor erklärt, man rechne zum Finale mit 40'000 deutschen und 15'000 spanischen Fans in der österreichischen Hauptstadt.

Trotz der 1:0-Niederlage wollten sich die deutsche Nationalmannschaft und ihr Trainer Joachim Löw am Montagnachmittag den Fans in Berlin zeigen. Geplant war um 14.30 Uhr ein Fanfest am Brandenburger Tor.

Mehr Informationen zum Spiel unter SF EURO 2008

(agenturen/hues/halp)

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