Schweiz
Kander ohne Vorabklärung befahren
Suche nach letztem Vermissten ausgesetzt
Vor dem Schlauchbootunfall auf der Kander mit fünf Toten hat wahrscheinlich keine Erkundung stattgefunden. Der definitive Entscheid für die Bootsfahrt fiel offenbar erst am Morgen des Unglücks, wie die Ermittlungen der Militärjustiz ergaben. Unterdessen hat die Armee die Suche nach dem letzten Vermissten des Schlauchbootunfalls auf der Kander vorläufig eingestellt.
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Offenbar war die Bootsfahrt ad hoc geplant worden. Laut ersten Erkenntnissen aus den Ermittlungen sei auch kein Rettungsdienst für die Übung organisiert gewesen, gab die Militärjustiz bekannt. Von den Überlebenden, die einvernommen wurden, verfügte niemand über eine zivile Ausbildung für Riverrafting-Fahrten.
Noch unklar ist, ob die Übung für die Teilnehmenden freiwillig war. Das gilt auch für die Frage, ob vorgesetzte Stellen von der Übung gewusst haben oder hätten wissen müssen.
Der Unfallhergang konnte hingegen aufgrund der Einvernahmen geklärt werden, wie der militärische Untersuchungsrichter Michael Leutwyler sagte. So bestiegen die Armeeangehörigen die Kander an einer breiten und ruhigen Stelle bei Heustrich/Emdthal (BE).
Das erste Boot überfuhr die erste Schwelle unfallfrei. Das nachfolgende Boot drohte bereits an dieser Stelle zu kentern. Alle fünf Besatzungsmitglieder fielen in den Fluss, einer ertrank in den Wassermassen, zwei konnten sich retten, einer wird noch vermisst. Den Kompaniekommandanten trieb es weiter flussabwärts.
Das vorausfahrende Boot blieb bei dem nächsten Niveauübergang quer zur Fliessrichtung stecken. Alle fünf Insassen fielen ins Wasser. Zwei von ihnen konnten sich retten, dreien gelang dies nicht.
Unterdessen hat die Armee die Suche nach dem letzten Vermissten vorläufig ausgesetzt. Grund für den Abbruch ist die zunehmende Schneeschmelze und die starke Trübung der Kander, wie das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mitteilte.
Der Lauf der Kander von der Unglücksstelle bis zum See soll erst nach dem Ende der Schneeschmelze im Spätsommer oder Anfang Herbst erneut abgesucht werden, wenn es der Wasserstand wieder zulässt. Die Seepolizei werde aber das bisherige Suchgebiet auf dem Thunersee im Rahmen der polizeilichen Grundversorgung verstärkt überwachen.
Erneut sei im Verlaufe des Sommers auch der Einsatz des Sonargeräts zur Abtastung des Seegrunds geplant. Auch die Militärpolizei werde das Gebiet auf ihren Patrouillen regelmässig überprüfen. Die Armeeführung bedauere ausserordentlich, dass die intensive Suche in den vergangenen zwei Wochen erfolglos geblieben sei, heisst es.
Bei dem Bootsunfall am 12. Juni waren insgesamt zehn Armeeangehörige verwickelt. Fünf überlebten, vier Offiziere wurden inzwischen tot geborgen.
(ap/sda/sprm/hues)
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