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Indio-Entdeckung war PR-Gag

Mittwoch, 25. Juni 2008, 11:56 Uhr, Aktualisiert 13:02 Uhr

«Unentdeckter» Stamm bereits bekannt

Die Bilder gingen um die Welt: Krieger eines Indio-Stammes zielen auf ein Flugzeug. In diesem sitzt der Forscher, der sie gerade entdeckt hatte. Das unbekannte Volk hatte nie Kontakt zur westlichen Zivilisation - sagte dieser Entdecker. Jetzt berichten Medien, dass das Ganze eine PR-Aktion gewesen sei.

Drei bemalte Indio-Krieger zwischen Hütten und Bäumen. Zwei von ihnen zielen mit Bogen auf den Betrachter.
Die Bilder vom Indio-Stamm sorgten für eine Sensation - und nun für eine Kontroverse. (reuters)

Die «kräftige und gesunden» Krieger wurden Ende Mai vom Forscher José Carlos Mereilles von der brasilianischen Indianerschutzbehörde (Funai) entdeckt. Feuerrot und pechschwarz bemalt waren die Stammeskrieger, die Mereilles damals von einem Flugzeug aus fotografierte.

Alles falsch, sagen nun verschiedene Medien. Grund für die Kontroverse ist ein Interview, das der «Entdecker» Mereilles dem Fernsehsender El Dschasira gab. Dort erklärt er, dass ihm der Stamm gar nicht gänzlich unbekannt war. Er sei mit vorhandenen GPS-Positionsdaten absichtlich über das Gebiet geflogen.

Mereilles bekräftigt nichtsdestotrotz, ihm sei viel an der Isolation der Indios gelegen. «Nicht einmal unter Folter» würde er die GPS-Daten verraten. Die Indios sollen selbst entscheiden, wann und mit wem sie Kontakt aufnehmen würden. Denn ein solcher Kontakt könnte wegen ihrer jetzigen Isolation zu schweren Krankheiten, bis hin zur Ausrottung des Stammes führen.

Die hehren Absichten von Mereilles und Funai stellt nun die britische Zeitung «The Observer» in Frage. Die ganze «Entdeckung» sei eine zweifelhafte PR-Aktion von Mereilles und der Funai gewesen. Der Stamm sei gar bereits seit 1910 bekannt - auch wenn er bisher isoliert gelebt hätte und auch noch nie fotografiert wurde.

Bei der Aktion ging es laut dem «Observer» darum, die Welt auf das Problem des illegalen Holzschlags in dem Grenzgebiet zwischen Brasilien und Peru aufmerksam zu machen. Denn dieser stellt eine massive Gefahr für die Indiostämme dar, die dort leben.

Die Funai wollte mit den Bilder nun Beweise für die Bedrohung vorlegen. Der «Observer» macht dies der Organisation nun zum Vorwurf. Sie habe den Stamm mit der PR-Aktion schützen wollen aber damit ein anderes Problem geschaffen. Mit dem Überflug habe man den Stamm gestört - eine Form des Kontaktes, die man eigentlich vermeiden wollte.

Die Organisation «Survival International» hat für die mediale Empörung kein Gehör. Sie sagt, dass niemand ausser den Medien behauptet hätte, dass die Indios vollkommen unbekannt gewesen seien. Ausserdem hätte die Berichterstattung bereits etwas bewirkt: Peru habe seine Abholzungspolitik in dem Gebiet überdacht.

(sf/frua)

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