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Suche nach Vermissten eingestellt

Donnerstag, 12. Juni 2008, 13:37 Uhr, Aktualisiert 14.06.2008, 1:46 Uhr

Militärunfall fordert offenbar fünf Tote

Ein Militärunfall auf dem Fluss Kander im Berner Oberland hat mehrere Opfer gefordert. Bisher wurden drei Tote und fünf Verletzte geborgen. Zwei Personen werden noch vermisst. Die Suche nach den beiden noch Vermissten wurde nach dem Eindunkeln vorübergehend eingestellt.

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Schlauchbott-Drama hätte den Teamgeist stärken sollen

Die Armee rechnet nicht damit, dass die Vermissten noch lebend geborgen werden können. «Es ist leider so, dass wir davon ausgehen müssen, dass alle tot sind», sagte Walter Knutti, Kommandant der Luftwaffe, gegenüber dem Schweizer Fernsehen SF.

Zwei Stellen an der Kander und das Kanderdelta werden über Nacht überwacht. Zuvor waren rund 80 Personen zum Teil mit Suchhunden im Einsatz. Das Gebiet wurde von einem Superpuma mit Wärmebildkamera an Bord überflogen.

Abgesucht wurde ein Gebiet von sieben bis zehn Kilometern. Auch ein Taucher war im Einsatz. Die drei bisher geborgenen Toten trugen alle Schwimmwesten und Helme, wie die Armee weiter mitteilte.

Die beiden verunglückten Schlauchboote der Schweizer Armee wurden in der Region von Bad Heustrich zu Wasser gelassen, wie der militärische Untersuchungsrichter Markus Leutwyler sagte.

Unterdessen wurden Vorwürfe laut, es sei unverantwortlich, einen solchen Flussabschnitt zu befahren. Riverrafting-Pionier Daniel Chézière sagte in der Sendung «10vor10», dass das Befahren eines solchen Flussabschnitts sehr gefährlich sei. «Es ist, als würde man mit 80 Kilometern in der Stunde absichtlich gegen eine Wand fahren», illustrierte Chézière mit einem Vergleich.

Zu diesen Vorwürfen nahmen die Armeeverantwortlichen in Spiez nicht Stellung. Diese Fragen seien Gegenstand der Ermittlungen der Militärjustiz. Diese hatte umgehend die Arbeit aufgenommen.

Ob die Schlauchboote wegen den dortigen Wasserschwellen in der Kander kenterten, sei unklar. Die Aussagen dazu gingen auseinander. Die Überlebenden sollen am heutigen Freitag befragt werden.

Die Armeeführung sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus und sicherte den Beteiligten die bestmögliche Unterstützung zu. Für die Angehörigen wurde eine Hotline eingerichtet (031/324 72 72).

Auch Verteidigungsminister Samuel Schmid zeigte sich erschüttert. Er versicherte den Angehörigen des Verstorbenen, der Verletzten und der Vermissten im Namen des Gesamtbundesrates seine Anteilnahme. Vor den Medien zitierte Schmid aus dem Kirchenlied «Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen».

Nach Angaben von Meteo Schweiz war es in der Region Wimmis im Berner Oberland gestern Vormittag trocken. Gewitter oder andere aussergewöhnliche Wetterphänomene wurden keine registriert. Die Temperatur lag bei rund acht Grad.

Die Kander hatte in der Region Wimmis einen Abfluss von rund 40 Kubikmeter pro Sekunde, wie Hans-Jürg Bolliger vom kantonalen Wasserwirtschaftsamt sagte. Gemäss Grafiken auf der Homepage des Amtes ist dieser Wert nicht aussergewöhnlich hoch.

SF-Korrespondent Urs Widmer, welcher das Gebiet in einem Hubschrauber überflog, bestätigte, dass die Kander einen nicht allzu hohen Wasserstand aufwies. Allerdings habe auf dem betroffenen Flussabschnitt die Kander zwei Schwellen. Diese könnten für Boote gefährliche Wirbel verursachen.

Die Militärjustiz hat derweil die Ermittlungen aufgenommen. Die Untersuchung wird von einem militärischen Untersuchungsrichter geleitet, wie eine Militärsprecherin sagte. Bisher ist klar, dass der Alarm über das Unglück um 11.30 Uhr ausgelöst wurde.

Für die Armee ist es das zweite schwere Unglück innerhalb eines Jahres im Berner Oberland. Am vergangenen 12. Juli waren sechs Soldaten während einer Übung im Aufstieg auf die Jungfrau von einer Lawine erfasst und getötet worden.

Gegen zwei Bergführer, die das Unglück überlebten, wurde ein militärisches Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.

(sf/ap/sda/schj/sprm/weis/koua)

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