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Die Renaissance der Atomkraft

Dienstag, 10. Juni 2008, 12:25 Uhr, Aktualisiert 14:01 Uhr

Die wichtigsten Etappen

Ende des 20. Jahrhunderts schien der Ausstieg aus der Atomenergie besiegelt. Die Diskussion um Treibhausgase und Klimaschutz, die drohende Stromversorgungslücke und die steigenden Erdölpreise führten aber ab 2000 zu einer Atomkraft-Renaissance.

1988: Angesichts massiven Widerstandes gegen neue Atomkraftwerke beerdigt der Bund die AKW-Projekte Graben und Kaiseraugst.

23. Sept. 1990: In der eidgenössischen Abstimmung werden der Energie-Artikel und die Moratoriums-Initiative für einen zehnjährigen AKW-Baustopp angenommen, die Atom-Ausstiegsinitiative wird verworfen.

22. Oktober 1998: Der Bundesrat spricht sich grundsätzlich für einen «geordneten Rückzug aus der Kernenergie» aus.

2000: Das Ende des zehnjährigen AKW-Moratoriums und das Inkrafttreten des CO2-Gesetzes (Senkung des Treibhausgas-Ausstosses bis 2010 um 10 Prozent) geben den Atomkraft-Befürwortern neuen Auftrieb: Sie preisen die Atomenergie als saubere Alternative zur fossilen Energie an.

18. Mai 2003: Die Atominitiativen «Strom ohne Atom» (für einen Atom-Ausstieg) und «Moratorium Plus» (für ein weiteres zehnjähriges AKW-Moratorium) werden an der Urne klar verworfen.

Ende Sept. 2003: In Italien belebt der Stromblackout die Diskussion über einen Wiedereinstieg in die Atomenergie. 1987 hatte Italien den Ausstieg beschlossen.

1. Feb. 2005: Das revidierte Kernenergiegesetz, ein indirekter Gegenentwurf zu den 2003 verworfenen Initiativen, tritt in Kraft. Es hält die Option Kernenergie offen und unterstellt neue AKW dem fakultativen Referendum.

24. Mai 2005: Die Stromgesellschaft Axpo fasst in ihrer Studie «Stromperspektiven» den Bau eines neuen Atomkraftwerkes, aber auch von Gaskombikraftwerken ins Auge.

Nov.2005/2006: In Deutschland hält die CDU/SPD-Koalition am Atom-Ausstieg bis 2021 fest. Aber zahlreiche Politiker, darunter CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos, plädieren für die Kernenergie.

Sommer 2006: Die Strombranche warnt vor einer Versorgungslücke. Diese solle mit einem ausgewogenen Kraftwerk-Mix, einschliesslich neuer AKW, gedeckt werden. Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, setzt demgegenüber aufs Energiesparen.

Anfang Aug. 2006: In Schweden (das 1980 einen Atom-Ausstieg beschlossen hatte) löst ein Störfall im AKW Forsmark-1 eine neue Debatte über die Nuklearenergie aus.

21. Feb. 2007: Der Bundesrat beschliesst, die bestehenden Kernkraftwerke zu ersetzen oder durch Neubauten zu ergänzen. Als Übergangslösung sollen Gaskombikraftwerke gebaut werden, die ihren CO2-Ausstoss gänzlich kompensieren müssen.

Ende Aug. 2007: Gegner der Atomenergie in der Schweiz gründen in Bern die Allianz «Stopp Atom».

13. Dez. 2007: Nach dem Verzicht auf eigene Gas-Kombikraftwerke in der Schweiz gibt Axpo im Gespann mit den Berner BKW Pläne für zwei neue Atomkraftwerke bekannt, die die jetzigen AKW in Beznau (Döttingen AG) und Mühleberg (BE) ersetzen sollen.

Januar 2008: Die britische Regierung einigt sich auf den Bau neuer Atomkraftwerke. Der französische Präsident Sarkozy setzt ebenfalls auf Atomenergie.

6. Juni 2008: Angesichts der steigenden Ölnachfrage und zunehmender Treibhausgasemissionen rät die Internationale Energie-Agentur (IEA) zum massiven Ausbau erneuerbarer Energiequellen wie auch zu neuen Atomkraftwerken.

9. Juni 2008: Die Energiekonzern Atel reicht beim Bundesamt für Energie ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein neues AKW im solothurnischen Niederamt ein.

(sda/schj)