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International

EU reicht Serben die Hand

Dienstag, 29. April 2008, 12:38 Uhr, Aktualisiert 30.04.2008, 11:20 Uhr

Abkommen in Belgrad umstritten

Nach jahrelangem Tauziehen hat die EU ein Abkommen mit Serbien unterzeichnet, das dem Balkanstaat den Weg für einen eventuellen EU-Beitritt eröffnet. Zwei Wochen vor der serbischen Parlamentswahl will die EU damit die pro-europäischen Kräfte in Serbien stärken. Die Reaktionen auf das Abkommen sind gespalten.

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Gespräche mit Serbien

In Kraft treten kann das Abkommen erst, wenn Serbien vollständig mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag kooperiert. Der deutsche Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier begrüsste die Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens in Luxemburg. «Serbiens Zukunft liegt in Europa», erklärte Steinmeier, der an der Sitzung der EU-Aussenminister nicht teilnehmen konnte, in Berlin.

Er ermahnte Belgrad allerdings zu einer «vollständigen Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien». Die Erfüllung dieser Forderung ist Bedingung dafür, dass das Abkommen wirksam wird. Auf dieser Verknüpfung bestanden die Niederlande und Belgien, die in der Vergangenheit eine Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens abgelehnt hatten. Substanzielle bringt die Unterzeichnung Serbien damit zunächst keine Fortschritte.

Der serbische Aussenminister Vuk Jeremic wertete die Unterzeichnung des Abkommens dennoch als «grossen politischen Schritt». Eine Sprecherin des nationalkonservativen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica sprach dagegen von einem «Akt gegen Serbien und seine Verfassung», wie die serbische Nachrichtenagentur Tanjug berichtete. Die serbische Koalitionsregierung ist über den Kurs gegenüber der EU gespalten und hat deswegen für den 11. Mai eine vorgezogene Neuwahl angesetzt.

Kostunicas Partei DSS werde im Falle eines Wahlsiegs die Unterzeichnung des Abkommens sofort annullieren, wurde Parteisprecherin Andreja Mladenovic von Tanjug zitiert. Aussenminister Jeremic, der dem pro-europäischen Koalitionspartner DS angehört, bezeichnete die Wahl als «Referendum über unseren Beitritt zur Europäischen Union».

Die österreichische Aussenministerin Ursula Plassnik erklärte, die Unterzeichnung des Abkommens sei als «Angebot» zu verstehen. «Es wird jetzt an den Serbinnen und Serben sein, dieses Angebot auch zu nutzen», sagte Plassnik mit Blick auf die Forderung, Serbien müsse vor der Inkraftsetzung des Abkommens mutmassliche Kriegsverbrecher an das UN-Tribunal in Den Haag ausliefern.

Normalerweise treten weite Teile eines Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens automatisch zwei Monate nach dessen Unterzeichnung in Kraft, also noch vor der Ratifizierung durch die EU-Staaten. Davon abweichend soll das Abkommen mit Serbien laut Beschluss der EU-Aussenminister erst dann wirksam werden, wenn die EU-Regierungen «einstimmig feststellen, dass die Republik Serbien vollständig mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal kooperiert».

Eine vollständige Zusammenarbeit wäre nach Auffassung des niederländischen Aussenministers Maxime Verhagen erst mit der Auslieferung des mutmasslichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic an das UN-Tribunal erreicht. «Die Jagd auf Mladic muss weitergehen, bis er in einem Flugzeug nach Den Haag sitzt», sagte Verhagen.

(ap/fasc)