Inhalt

Der Weg von Marcel Ospel

Dienstag, 1. April 2008, 9:23 Uhr, Aktualisiert 22:11 Uhr

Atypische Karriere auf Finanzplatz geht zu Ende

Dass ihm der Wind ins Gesicht bläst, ist für Marcel Ospel nichts Neues. Aus allen Krisen und Machtkämpfen ging der gewiefte Taktiker in den letzten zehn Jahren als Sieger hervor. Nun macht er unter dem Druck des Subprime-Debakels Platz. Eine atypische Karriere auf dem Finanzplatz Schweiz geht zu Ende.

Videoplayer
Biedermann und Gambler - Aufstieg und Fall von Marcel Ospel

Mehr zum Thema

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

So hat sich Ospel seinen Abgang nicht vorgestellt: Die «Neue Zürcher Zeitung» bezeichnete ihn als «klebrigen» Manager und forderte unverhohlen seinen Rücktritt. Und vor laufender Kamera erklärte der «Herr der UBS» - so der Titel einer 2007 veröffentlichten Ospel-Biografie -, er schäme sich.

Dass der UBS-Präsident seinen Posten nicht schon Ende letzten Jahres räumen musste, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen fehlte es innerhalb der UBS an potenziellen Nachfolgern für das Präsidialamt. Zum anderen war Ospel in der ersten Phase des Subprime-Sturms wohl tatsächlich «Teil der Lösung des Problems». Er liess seine Beziehungen spielen, als es darum ging, innert Tagen Investoren von einem Milliardenengagement in die UBS zu überzeugen.

Spätestens am 30. Januar wurde aber klar, dass sich Ära Ospel bei der UBS dem Ende neigte. Die Grossbank hatte im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise mittlerweile über 21 Milliarden Franken in den Sand gesetzt - so viel wie keine andere Bank ausserhalb der USA.

Kritik kam mehr und mehr auch vom Finanzplatz selber. «Finger weg von Dingen, die man nicht versteht», meinte der Genfer Privatbankier Nicolas Pictet. «Hochpeinlich» befand der frühere Bankgesellschaft-Manager Ulrich Grete. Ein Fiasko für den ganzen Finanzplatz, sagte der Doyen der Privatbankiers, Hans Vontobel.

Dass Ospel bis zur jüngsten Hiobsbotschaft dennoch ein weiteres Jahr als Präsident anhängen wollte, stellte er Ende Februar vor den Aktionären als Pflichtbewusstsein dar. Nun sieht Ospel seinen Beitrag schon früher erfüllt.

Als oberster Verantwortlicher für Abschreibungen von nunmehr 40 Milliarden Franken und als Objekt von Hohn, Spott und Schmähungen war er für den jetzt anlaufenden Neuanfang beim grössten Schweizer Bankenkonzern aber auch nicht mehr tragbar. Vergessen sind die Zeiten, als die Konkurrenz mit Neid auf die UBS und den einstigen KV-Stift blickte, der die Bank an die Weltspitze der Vermögensverwalter geführt hatte.

Den Grundstein zu seiner Karriere legte Ospel beim Schweizerischen Bankverein, einer der beiden Vorgängerbanken der UBS. Nach einem Abstecher zur US-Investmentbank Merrill Lynch trieb er die Expansion bei der als verschlafen geltenden Basler Grossbank voran.

Ohne akademische Bildung und Militärkarriere wurde Ospel 1996 mit 46 Jahren Konzernchef der damaligen Nummer 3 der Grossbanken. Bei der Fusion mit der grösseren Bankgesellschaft zur UBS erhielt Ospel Ende 1997 den Posten des CEO.

Als der neue Finanzriese ein Jahr nach der Gründung wegen des Konkurses des US-Hedge-Funds LTCM eine Milliarde Franken verlor, blieb Ospel im Amt. Gehen musste der Präsident, der Bankgesellschaft-Mann Mathis Cabiallavetta.

Standfestigkeit bewies Ospel auch im Katastrophenherbst 2001. Dem Volkszorn - «Bin Ospel» hiess es auf Plakaten - und dem Ärger des Bundesrats zum Trotz verteidigte er nicht nur sein Handeln rund um das Swissair-Grounding.

Im gleichen Herbst entschied Ospel vielmehr auch einen internen Machtkampf für sich. Der von ihm erst Monate zuvor zum Konzernchef beförderte Brite Luqman Arnold wurde am 18. Dezember 2001 abgesetzt und durch Peter Wuffli abgelöst. Arnold hatte wegen des eigenmächtigen Vorgehen Ospels bei der Kapitalisierung der Swissair-Nachfolgegesellschaft offenbar den Aufstand gewagt.

Es folgten die goldenen Jahre mit Rekordgewinnen von über zehn Milliarden Franken 2005 und 2006. In diese Zeit muss aber auch der Sündenfall bei der Investmentbank gefallen sein.

Die Lage spitzte sich erst im Frühling 2007 zu. Zunächst wurde der hauseigene Hedge-Funds DRCM geschlossen. Noch während die von der UBS gesponserte Alinghi-Yacht vor Valencia den Americas's Cup verteidigte, kam es im Verwaltungsrat zum Eklat. Das Aufsichtsgremium desavouierte Ospel angeblich einstimmig und lehnte es ab, Wuffli zu seinem Nachfolger zu ernennen.

Die Finanzgemeinde rieb sich am Morgen des 6. Juli die Augen: Mitten in der Nacht hatte die UBS das sofortige Ausscheiden Wufflis und die Ernennung Marcel Rohners zum neuen CEO bekannt gegeben. Eine plausible Begründung für diese Nacht-und-Nebel-Aktion hat die Bank bis heute nicht gegeben.

Zielstrebig, machtbewusst und ehrgeizig wird der abtretende UBS-Präsident beschrieben. Hinzu kommen Bauernschläue und feine Antennen für Opportunitäten und Gefahren. Bodenhaftung hat der aus einfachen Verhältnissen stammende Basler als eingefleischter Fasnächtler behalten. Ospel hatte als erstes Mitglied der Topverdiener-Klasse sein Multimillionen-Salär offen gelegt. Der heute 58-jährige Ospel ist in dritter Ehe mit der 25 Jahre jüngeren Adriana Bodmer verheiratet.

(ap/stom)