International
Kenias Wahl auf Messers Schneide
Urnengang «relativ ruhig» - Unregelmässigkeiten
In Kenia haben rund 14 Millionen Wahlberechtigte ein neues Parlament und einen Präsidenten gewählt. Angesichts des erwarteten äusserst knappen Wahlausgangs war die Stimmung im Lande aufgeheizt. Nach ersten Nachwahlbefragungen lag Präsident Mwai Kibaki mit knapp 45 Prozent vor seinem Herausforderer Raila Odinga mit 41,2 Prozent.
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Noch nie zuvor seit der Erlangung der Unabhängigkeit war das Ergebnis so ungewiss.
Gemäss einer Nachwahlbefragung lag der derzeitige Präsident Mwai Kibaki von der Nationalen Einheitspartei knapp vorn. Auf ihn entfielen 45 Prozent, auf seinen Herausforderer Raila Odinga vom Orangenen Oppositionsbündnis 41,2 Prozent, wie die örtliche Wahlbeobachter-Gruppe IED mitteilte. Das Ergebnis basiere auf der Befragung von Wählern vor 262 Wahllokalen. Insgesamt hatten 27'000 Wahllokale geöffnet.
Neben dem Präsidenten wählten die Kenianer auch die 210 Mitglieder des neuen Parlaments und rund 2500 Gemeindevertreter. Entgegen anfänglicher Befürchtungen verliefen die Wahlen weitgehend friedlich. Die Polizei meldete nur einen tödlichen Zwischenfall. Polizisten in Zivil behielten vor allem Wahllokale in Gebieten im Auge, in denen es in den vergangenen Wochen zu politisch motivierter Gewalt gekommen war.
Seit Juli waren über 70 Menschen bei Ausschreitungen zwischen den Anhängern der verschiedenen Kandidaten ums Leben gekommen.
Zur Wahlbeteiligung machte die kenianische Wahlkommission zunächst keine offiziellen Angaben. Im grössten Slum Kibera südwestlich der Hauptstadt Nairobi bildeten sich Warteschlangen von mehreren Kilometern Länge. «Die Kenianer erscheinen in grosser Zahl zur Wahl», sagte der Leiter der EU-Wahlbeobachtermission, Alexander Graf Lambsdorff, der mehrere Wahllokale in Nairobi besucht hatte.
Nach offiziellen Angaben waren 30'000 einheimische und internationale Beobachter im Einsatz. Lambsdorff sprach von einer «relativ ruhigen» Wahl.
Allerdings öffneten einige Wahllokale mit mehrstündiger Verspätung, in anderen waren zahlreiche Wählerinnen und Wähler nicht in den Wählerlisten aufgeführt. Diese Vorkommnisse schürten Ängste vor Wahlfälschung- und Manipulation.
Auch Herausforderer Odinga bekam die Unregelmässigkeiten zu spüren: Er habe seine Stimme zunächst nicht abgeben können, weil sein Name auf der Wählerliste gefehlt habe, berichtete er. Der Präsidentschaftskandidat, dessen vollständiger Name Raila Amollo Odinga ist, sprach von einer «Verschwörung», da alle Namen mit den Anfangsbuchstaben R, A und O nicht in der Liste aufgeführt gewesen seien.
Dennoch zeigte sich Odinga siegessicher. «Ich bin sicher, dass wir gewinnen werden - nicht nur mit einer knappen Mehrheit», sagte er. Odinga und Kibaki galten als die beiden aussichtsreichsten der neun Kandidaten für das Amt des Präsidenten.
Der 76-jährige Wirtschaftsprofessor Kibaki brachte in seiner ersten Amtszeit das zuvor heruntergewirtschaftete Land auf Vordermann. Seine Versprechen wie den Kampf gegen Korruption setzte aber nach Ansicht seiner Kritiker nicht um. Sein einstiger Weggefährte, der 62-jährige Odinga, trat im Wahlkampf als Retter der Mittellosen auf.
(agenturen/halp)
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