Schweiz
Widmer-Schlumpf wollte zuerst nicht
Gespräch mit Samuel Schmid stimmte sie um
Die neue Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat zwischen ihrer Wahl am Mittwoch und der Verkündung ihres Entscheids am Donnerstag die ganze Schweiz auf die Folter gespannt. Der Sonntagspresse verriet sie, wie und warum sie zum Entschluss kam, die Wahl anzunehmen. Derweil präzisiert Christoph Blocher die SVP-Oppositionspolitik.
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Sie habe ihre Wahl zur Bundesrätin zunächst nicht annehmen wollen, habe aber ihre Position bis zur Vereidigung am Donnerstag revidiert. Dies sagte die neue Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Entscheidend für ihren Gesinnungswandel sei ein Gespräch mit Samuel Schmid gewesen.
Zudem sei sie zur Überzeugung gelangt, dass nur mehr sie selber den zweiten Sitz der SVP im Bundesrat retten könne: «meine 125 Stimmen wären nicht an Blocher gegangen. Er hat zu viele persönlich verletzt.»
Gegenüber dem «SonntagsBlick» sagte Widmer-Schlumpf, dass sie am Dienstagabend Ueli Maurer in einem Telefongespräch gesagt habe, sie könne sich nicht vorstellen, ohne Fraktion zu politisieren. Sie habe sich das bis Mittwoch wirklich nicht vorstellen können. Dass Maurer dies als ein Nein verstand, könne sie gut nachvollziehen. Definitiv entschieden habe sie sich, als sie am Donnerstagmorgen um halb vier Uhr aufwachte. «Als ich wach lag, wurde mir klar: Ja, ich mache es!»
Sie sei erstaunt gewesen, wie heftig die SVP-Spitze mit Oppositionsplänen reagiert habe. «Ich hoffe, dass wir zusammenarbeiten können, dass sich die Kräfte in der Fraktion sagen: Es ist von Vorteil, mit den Exekutivmitgliedern Kontakt zu pflegen.»
Weil die SVP planen könnte, in vier Jahren mit Leuten für den Bundesrat anzutreten, die ihr besser entsprechen, droht ihr schon wieder die Abwahl. Dazu sagt Widmer-Schlupf: «Seit Ruth Metzler ist eine Abwahl kein Tabu mehr. Das kann mir also in vier Jahren durchaus passieren.»
Der abtretende SVP-Bundesrat Christoph Blocher präzisiert derweil seine Aussagen über die künftige Oppositionspolitik der SVP: Bei einer Obstruktionspolitik werde er «nicht mitmachen», sagte er gegenüber der «SonntagsZeitung».
Richtige Opposition stelle Volk und Land als einziges Ziel in den Vordergrund. Bevor die Partei jedoch Initiativen lanciere, müsse sie Prioritäten setzen. «Blockaden führen zu einem Scherbenhaufen», sagte Blocher.
« Keine Parteispaltung»
Der Vizepräsident der SVP Schweiz und St. Galler Nationalrat Toni Brunner relativierte gegenüber der «Tagesschau» die angedrohte kompromisslose Opposition: «Es wird vieles heisser gegessen, als es ist», sagte er.
Wenn eine unkontrollierte Situation entstehe wie bei der Bundesratswahl gingen die Emotionen zunächst hoch. An der Fraktionssitzung vom Dienstag werde es aber keine Parteiaustritte und auch keine Parteispaltung geben.
(sf/frua/widb)
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