Schweiz
«WWW - we will Widmer»
Hunderte auf dem Berner Bundesplatz
In freudiger Erwartung einer dritten Bundesrätin haben sich am Morgen Hunderte auf dem Bundesplatz versammelt. Während die Mehrheit auf das «Ja» von Eveline Widmer-Schlumpf hoffte, hielt eine Blocher-Anhängerin vor den Absperrungen die Stellung. Vor einer SVP-Opposition schien sich niemand zu fürchten.
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Kurz vor 07.00 Uhr erhellen einzelne Fackeln den noch dunklen Bundesplatz, am Boden liegen ein grosses Frauenzeichen aus Alufolie, belegt mit Rosen und das Transparent «Eveline, sag 'Ja'!».
Nach und nach kommen weitere zur «Begrüssungsaktion» für die neu gewählte Bundesrätin, zu der die Organisation frauenstreik.ch aufgerufen hatte. Sicherheitsbeamte montierten die letzten Absperrungsgitter vor dem Bundeshaus. Wenig später führen vier Polizisten einen jungen Mann mit Kapuze ab.
Die Stimmung ist zuversichtlich, Lachen liegt in der Luft. Zahlreiche Frauen treffen ein. Sie tragen Plakate mit wie «www - we will Widmer» (sic!) und «Das Volk sind wir, Eveline Widmer-Schlumpf, wir stehen hinter dir».
An prominenter Stelle, vorne an den Absperrungsgittern, harrt eine SVP-Anhängerin aus dem Zürcher Unterland aus: «SVP = Blocher, SVP - Bundesrat, Blocher - Bundesrat» steht auf ihrem Spruchband.
«Im Bundesrat braucht es einen bürgerlichen Politiker, der nicht in die EU will», sagt sie. Blocher verstehe die Wirtschaft. Wenn er aus der Regierung gekippt werde, habe das auch wirtschaftliche Folgen für die Schweiz.
Gewerkschaften, Grüne, SP und Juso sind mit ihren bunten Fahnen präsent. «Sie sagt Ja,» ist die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer überzeugt. Die SVP werde gespalten. Doch eine Opposition könne sie sich gar nicht leisten, weil die Landwirtschaft an der Futterkrippe des Staates hänge.
«Die SVP ist ja jetzt schon in der Opposition,» sagt die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé und verweist auf die Situation von Bundesrat Samuel Schmid. Mitorganisatorin der Aktion und Berner Juso-Politikerin Rahel Imobersteg freut sich über die Beteiligung und erinnert an den Protestzug nach der Wahl von Christoph Blocher vor vier Jahren. Kurz vor 08.00 Uhr erklingt «Amazing Grace».
Für kurze Zeit scheinen die Menschen auf dem Platz den Atem anzuhalten. Ein Hauch von Feierlichkeit kommt auf in der Kälte. Zahlreiche Versammelte halten sich Radios ans Ohr oder vernehmen die Entwicklungen im Parlament via Kopfhörer. Lautsprecher übertragen nun die Sendung zur Bundesratswahl auf den Platz.
Mit den ersten Worten von Widmer-Schlumpf sinkt die Stimmung - sie wird doch wohl nicht ablehnen? Befreiender Jubel, Klatschen und «Sensationell»-Rufe übertönen ihre Wahlannahme. Umarmungen, freundschaftliche Schulterpuffer. «Die SVP hat sich verrechnet. 30 Prozent ist keine Mehrheit!» sagt Unia-Sprecher Nico Lutz erfreut.
Auch die drei Bündner Studenten, die sich die Kantonsfahne umgehängt haben, sind zufrieden: Dies sei ein guter Entscheid für den Kanton Graubünden und für die Frauen. Es sei grossartig, dass sich das Parlament nicht habe nötigen lassen, sagt der eine. «Als Parlamentarier hätte ich Blocher gewählt,» sagt ein grosser Mann mit Zipfelmütze. Eine solche Erpressung aber dulde er nicht. Das sei so wenig staatsmännisch wie Blochers Abgangsrede. Das Blocher-Transparent an vorderster Front ist verschwunden.
(ap/halp)
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