Schweiz
Wenn der Wunschkandidat durchfällt ...
Ein «aufgezwungener Bundesrat» ist keine Seltenheit
Dass einer Fraktion von der Parlamentsmehrheit ein Bundesratsmitglied «aufgezwungen» wird, kommt immer wieder vor. Am häufigsten war davon aber nicht die SVP, sondern die SP betroffen.
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Seit der Einführung der inzwischen aktualisierten Zauberformel im Jahre 1959 setzte sich neun Mal eine inoffizielle Kandidatur durch. Mit einer Ausnahme - dem aktuellen Fall Blocher - geschah dies bei einer Ersatzwahl und nicht auf Kosten eines amtierenden Magistraten.
Vier Mal traf es die SP, zwei Mal die CVP, je ein Mal die FDP und die SVP. Der letzte Fall ist noch frisch: Zum Nachfolger des SVP-Bundesrates Adolf Ogi wählte das Parlament im Dezember 2000 weder Rita Fuhrer noch Roland Eberle, sondern den heute noch als angeblich «halber SVP-Bundesrat» amtierenden Samuel Schmid. Erstmals brachte damit bei einem Zweierticket eine Fraktion keine ihrer Kandidaturen durch.
Im März 1993 war es die SP-Fraktion, die in den Regen gestellt wurde. Damals scheiterte die SP-Kandidatin Christiane Brunner an Francis Matthey, der in der Folge unter dem Druck der Partei die Wahl ausschlug und so eine Woche später den Weg für die nun gemeinsam mit Brunner portierte Ruth Dreifuss freimachte.
1983 scheiterte an einem «wilden» Mann der erste Anlauf zu einer Frauenwahl. Damals zog das Parlament der Zürcher SP-Nationalrätin Liliane Uchtenhagen den Solothurner alt Nationalrat Otto Stich vor. Die Sozialdemokraten erwogen danach an einem ausserordentlichen Parteitag den Austritt aus dem Bundesrat.
Im Dezember 1973 sahen gleich alle drei offiziellen Kandidaten ihre Felle davonschwimmen, wobei aber nicht die «Linientreue» oder das Geschlecht ein Problem war. Nachdem von der SP Willi Ritschard statt Arthur Schmid gewählt worden war, gab es kein Halten mehr: Von der CVP kam statt Enrico Franzoni Hans Hürlimann zum Zuge, von der FDP statt Henri Schmitt Georges-André Chevallaz.
1962 musste sich der Bündner Christlichdemokrat Ettore Tenchio dem Walliser Roger Bonvin geschlagen geben. In der Viererwahl von 1959, als die Zauberformel entstand, brachte die SP den «sehr linken» Schaffhauser Walther Bringolf nicht durch. Gewählt wurde damals der Basler Hanspeter Tschudi.
(sda/halp)
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