International
Putin-Kritiker Kasparow verhaftet
Protestaktion in Moskau aufgelöst
In Russland ist der frühere Schach-Weltmeister Garry Kasparow zu fünf Tagen Haft verurteilt worden. Kasparow hatte in Moskau zusammen mit anderen Oppositionellen eine Demonstration gegen Präsident Wladimir Putin angeführt.
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Nach seiner Festnahme wurde der Chef der Partei Anderes Russland einem Richter vorgeführt und beschuldigt, eine nicht genehmigte Protestaktion organisiert und sich seiner Festnahme widersetzt zu haben.
Kasparow war nach einem Handgemenge mit Sicherheitskräften festgenommen und in einem Polizeibus weggebracht worden. Insgesamt seien etwa 60 Menschen verhaftet worden, sagte ein Sprecher Kasparows. Zwischen 2000 und 3000 Menschen hatten sich an der Kundgebung eine Woche vor den Parlamentswahlen beteiligt.
Unter den Festgenommenen waren der Menschenrechtler Lew Ponomarew und der Vorsitzende der National-Bolschewistischen Partei, Eduard Limonow, sowie Maria Gaïdar, Kandidatin der liberalen Partei Union der Rechten Kräfte (SPS) für die Dumawahlen. Nach Angaben der Opposition ist Gaïdar wieder auf freiem Fuss.
Die Behörden hatten nur die gegen Putin gerichtete Kundgebung erlaubt, einen Protestmarsch zur Zentralen Wahlkommission aber «aus Sicherheitsgründen» verboten. Einzelne Regierungskritiker versuchten dennoch, die Sperren zu durchbrechen, um der Kommission eine Petition für faire Wahlen am 2. Dezember zu übergeben.
Medien berichteten, dass ihnen über 1000 Einsatzkräfte der Sicherheitspolizei OMON und Soldaten den Weg versperrten. Ponomarew warf in Radio «Echo Moskwy» den Behörden eine «völlig überzogene Reaktion» vor. Die Polizei sprach von einer «gezielten Provokation» der Demonstranten.
Der Chef der SPS und frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow warf Putin vor, ein «Feigling» zu sein, der Angst vor friedlichen Menschen habe. Die SPS hatte überraschend an der Demonstration teilgenommen. Ponomarew wertete das geeinte Auftreten der Opposition als Fortschritt.
Auch in anderen Städten nahm die Polizei laut Medienberichten Dutzende von Menschen fest, die an den Kundgebungen des Oppositionsbündnisses teilnehmen wollten. In Samara sagten die Regierungskritiker eine Demomstration ab, nachdem mehrere Organisatoren verhaftet worden waren.
Nach Angaben von Anderes Russland beschlagnahmte die Polizei dort und in der Moskauer Zentrale Plakate, Transparente sowie Flugblätter für die Wahlen.
In der Kaukasusrepublik Inguschetien demonstrierten zwischen 500 und 600 Regierungsgegner. Die Kundgebung in Nasran wurde nach Angaben von «Echo Moskwy» gewaltsam aufgelöst. Etwa hundert Menschen seien festgenommen worden.
In Moskau demonstrierten am Samstag auch tausende Menschen für den Präsidenten. Putin ist in Russland sehr populär. Er gibt sein Präsidentenamt nächstes Jahr nach Ablauf seiner letzten Amtszeit auf, tritt aber als Spitzenkandidat der Kremlpartei Geeintes Russland bei der Wahl an.
(sda/ap/wenn)
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