International
Der Dalai Lama bei Präsident Bush
Inoffizieller Besuch ohne Medien
Trotz scharfer Proteste aus Peking ist US-Präsident George W. Bush in Washington mit dem Dalai Lama zusammengetroffen. Journalisten und Fotografen waren nicht zugelassen.
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Bush und der tibetische Religionsführer seien zu einem privaten Meinungsaustausch zusammengekommen, sagte ein Sprecher des Präsidenten. Um den inoffiziellen Charakter des Treffens zu unterstreichen, fand es nicht in Bushs Amtszimmer, sondern in seinen privaten Räumen statt.
Nach der halbstündigen Unterredung sagte der Dalai Lama vor Journalisten, zwischen ihm und Bush bestehe mittlerweile eine «enge Freundschaft». Er sei dankbar, dass der US-Präsident die Lage in Tibet «wirklich ernst nimmt».
Kurz zuvor hatte China den geplanten Empfang scharf kritisiert und vor negativen Konsequenzen für die Beziehungen der beiden Länder gewarnt.
Das Treffen stelle eine schwere Verletzung der grundlegenden Regeln der internationalen Beziehungen dar und verletze «die Gefühle der Chinesen», sagte ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums in Peking.
«Wir fordern die USA ausdrücklich dazu auf, den Fehler zu korrigieren, die betreffenden Arrangements abzusagen und sich nicht mehr in die internen Angelegenheiten Chinas einzumischen», sagte der Sprecher weiter.
Besonderen Anstoss nahm Chinas Führung auch an der für Mittwoch geplanten Auszeichnung des Dalai Lama mit dem höchsten Zivilorden des US-Kongresses. An der Verleihung im Kapitol sollte auch Bush teilnehmen.
Mit Empörung reagierte auch der KP-Chef Tibets, Zhang Qingli, auf das Treffen im Weissen Haus. Dies seien unzulässige Einmischungen in innerchinesische Angelegenheiten, erklärte Zhang am Rande des XVII. Parteitags der chinesischen KP in Peking.
Der 56-jährige Zhang Qingli, ein Han-Chinese, ist ein enger Vertrauter von Staats- und Parteichef Hu Jintao, der selbst in den achtziger Jahren Parteichef in Tibet gewesen war.
Bereits am Montag hatte China gegen den Empfang des Dalai Lamas in den USA protestiert und ein Treffen von UNO- Sicherheitsratsmitgliedern in Berlin platzen lassen. Das Land sagte seine Teilnahme an für Mittwoch geplanten Gesprächen über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit dem Iran ab.
Der Dalai Lama war im September bereits von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin und vom österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in Wien empfangen worden. Peking sagte daraufhin mehrere bilaterale Treffen ab, unter anderem den für Dezember geplanten Menschenrechtsdialog.
China, das die Himalaya-Region 1950 annektierte, betrachtet den Dalai Lama als Separatisten und kritisiert daher dessen Treffen mit ausländischen Politikern.
(sda)
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