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Wer Wind sät, erntet Stimmen

Montag, 8. Oktober 2007, 13:10 Uhr, Aktualisiert 14:20 Uhr

Zeitungskommentare zu den Krawallen in Bern

In der Westschweizer Presse ist die Optik bezüglich der Krawalle vom Samstag in Bern anders als in der Deutschschweiz. Einige welsche Kommentatoren bezichtigen die SVP der politischen Brandstiftung.

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Wer Wind säe, ernte Stimmen, brachte es «24 heures» mit Verweis auf die politische Verantwortung der SVP auf den Punkt. Gemäss «La Liberté» gewinnt die SVP auf Kosten von verletzten Polizisten, zertrümmerten Schaufenstern und zerstörten Autos Stimmen.

Die für die Sicherheit zuständigen beiden SVP-Bundesräte hätten genau gewusst, dass die SVP-Veranstaltung ausarte, schrieben die beiden Neuenburger Blätter «L'Express» und «L'Impartial». Gemäss «Le Matin» zeusle die SVP mit der Fremdenfeindlichkeit.

«Le Temps» und «La Tribune de Genève» sorgen sich um das Bild der Schweiz im Ausland. Die Meute sei auf den Strassen und vor dem Bundeshaus, die Polizei hingegen abwesend und lächerlich, während die braven Bürger die Leidtragenden seien, schrieb «Le Temps».

«Uhren, Berge, Schokolade und Fremdenfeindlichkeit» ist laut «La Tribune de Genève» das neue Postkarten-Image der Schweiz. Die SVP zögere nicht, das Land entzwei zu spalten. Schaden könne dabei auch der Finanzplatz Schweiz nehmen.

Wenige Monate vor der EURO 2008 sorgen sich die Kommentatoren auch um die Sicherheit dieses Sportanlasses. «Welche Garantie können uns der Bundesrat und sein Justizminister geben, damit das Fussballfest nicht in Scharmützel umkippt», fragt «La Liberté».

In seltener Eintracht verurteilen die Kommentatoren der Schweizer Zeitungen die gewalttätigen Ereignisse vom Samstag in Bern. Vor allem für das Versagen der Polizei finden sie deutliche Worte.

Besonders hart ins Gericht mit Polizei und Stadtregierung ging die «Berner Zeitung». Die Polizei, und damit die Stadt Bern, habe sich von einer Horde entfesselter Chaoten übertölpeln lassen. Bern habe sich gründlich blamiert.

Für den Berner «Bund» liegt die Schuld jedoch nicht allein bei der Polizei. Diese stehe immer am Ende einer Kette von Entscheidungen und müsse nicht selten ausbaden, was andere ihr eingebrockt hätten.

In Bern, wo die Behörden den Gewerbetreibenden immer neue Hindernisse in den Weg legten, sei man nicht einmal mehr in der Lage, den Bundesplatz vor Chaoten zu schützen, schrieb die «NZZ». Die Aussagen der Berner Polizeidirektors, das Hauptziel des Tages sei erreicht worden, grenze an schwarzen Humor.

«Bern hat ein Problem», diagnostizierte die «Aargauer Zeitung» und rät, dass sich die politischen Lager zusammenraufen und eine gemeinsame Front gegen den Schwarzen Block bilden. Gefordert seien in erster Linie die rot-grünen Machthaber.

Es sei unverständlich, wieso es der Polizei nicht gelang, dem Treiben besser Einhalt zu gebieten, meinte die «Neue Luzerner Zeitung». Und die «Thurgauer Zeitung» stellte fest, dass die Berner Polizei ihren Job nicht oder nur schlecht gemacht habe.

Das «St. Galler Tagblatt» stellte die Frage, wie Bern die Sicherheit der EURO 2008 gewährleisten wolle. Wenn die Hooligans kämen, werde es wesentlich gefährlicher als beim Schwarzen Block. «Nehmt den Bernern die EURO 2008-Spiele weg und bringt sie in die Ostschweiz», fordert die Zeitung deshalb.

Das «primitive Pack» habe getan, was von ihm zu erwarten war, Berns Polizei nicht, stellte der «SonntagsBlick» nüchtern fest. Dies sei beschämend.

Von einem «Geheimplan der SVP» schrieb am Montag ironisch der «Tages-Anzeiger». Beteiligte daran seien die Linksalternativen mit ihrer Gegenveranstaltung, die Chaoten und die Polizei gewesen. Letztere habe die SVP-Wähler in ihrer Überzeugung bestärkt, dass rot-grüne Politiker ihren Laden nicht im Griff hätten.

Auch die Rolle des Berner Stadtrats und Organisators des SVP-Gegenveranstaltung, Daniele Jenni, gab zu bissigen Kommentaren Anlass. Die üble Provokation des Daniele Jenni sei wieder einmal hervorragend aufgegangen, hiess es in der «Berner Zeitung».

Im «Bund» wurde Jenni gar als «scheinheilige Friedenstaube» und in der «NZZ» als «notorischer Aufwiegler und ideeller Brandstifter» bezeichnet. Die Organisatoren der Gegendemo hätten einen Saubanner-Umzug in Marsch gesetzt, den sie nicht unter Kontrolle gehabt hätten, schrieb der «Walliser Bote».

Die «Basler Zeitung» schob die Schuld für die Krawalle indirekt die SVP in die Schuhe. Wenn die SVP im aufgepeitschten politischen Klima zwei Wochen vor den Wahlen einen Folkloreumzug durch die Berner Altstadt durchführen wolle, werde er mit Sicherheit massiv gestört.

Wie die SVP die Krawalle für ihre Zwecke instrumentalisiert habe, hinterlasse einen schalen Nachgeschmack, befand der «Sonntag».

Es wäre ungerecht zu sagen, die SVP habe die Situation in Bern provoziert, meinte hingegen die «Südostschweiz am Sonntag». Jede Partei dürfe vor den Wahlen zu einer politischen Manifestation laden. Wenn die anderen Parteien dies nicht täten, seien sie selber schuld.

Dass die SVP-Demonstration für Probleme sorgen würde, sei zu erwarten gewesen, schrieb die «NZZ am Sonntag». Die Schuld an den Ausschreitungen liege aber ganz eindeutig bei den Gewalttätern.

(sda)