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Schweiz

Randale in Berns Strassen

Samstag, 6. Oktober 2007, 10:50 Uhr, Aktualisiert 07.10.2007, 12:51 Uhr

SVP-Veranstaltung trifft auf Gegendemo

Randalierer haben die SVP-Wahlveranstaltung auf dem Berner Bundesplatz mit zahlreichen Randalen und Störmanövern verhindert. Statt vor dem Bundeshaus hielt die SVP ihre Kundgebung beim Bärengraben ab.

Brennender Müll auf der Strasse. Dahinter eine versammelte Menschenmenge.
Bei den Randalen entstand Sachschaden von mehreren 10'000 Franken. (reuters)

Rund 10'000 SVP-Anhänger versammelten sich am Mittag beim Bärengraben und wollten gegen 13.30 Uhr zur geplanten Platzkundgebung auf dem Bundesplatz marschieren.

Dazu kam es nicht: Mehrere hundert Chaoten blockierten auf der anderen Seite der Aare die geplante Kundgebungsroute der SVP. Die Polizei löste die Ansammlung mit Tränengas auf.

Altstadt im Ausnahmezustand

Trotzdem konnte die Volkspartei ihren Umzug nicht starten. Am Rande des unbewilligten Festes der Anti-SVP-Koalition «Schwarzes Schaf» auf dem Münsterplatz kam es nämlich gleichzeitig zu Randalen und Scharmützel von Splittergruppen.

Die Polizei riegelte den Münsterplatz ab. Einige Gruppen versuchten jedoch, die Sperren zu durchbrechen und zur Kundgebungsroute der SVP oder auf den Bundesplatz zu gelangen.

SVP-Stände zerstört

In der Unteren Altstadt kam es immer wieder zu Scharmützeln zwischen Randalierern und Polizei. Es flogen Flaschen, Knallgeschosse, Gummischrot und Tränengaspetarden. Einer Gruppe von rund 30 Linksautonomen gelang es, auf den Bundesplatz zu gelangen und dort die SVP-Stände kurz und klein zu schlagen.

Die SVP entschied aus Sicherheitsgründen, ihre Kundgebung auf dem Areal Klösterlistutz beim Bärengraben abzuhalten. Den geplanten Folkloreumzug mit Treichlern, Trachtenleuten und Musikanten beschränkte sie auf eine kurze Route beim Bärengraben.

Blocher und Maurer kritisieren Blockaden

Bundesrat Christoph Blocher und SVP-Präsident Ueli Maurer kritisierten die Blockaden der Anti-SVP-Demonstranten scharf. Gewisse Kreise hätten mit allen Mittel versucht, die stärkste Partei der Schweiz an einer friedlichen Kundgebung zu hindern, sagte Maurer. Dies sei bedenklich.

Die Kundgebung sei zu einer Demonstration für Frieden und freie Meinungsäusserung geworden, sagte Blocher. Die Vorkommnisse zeigten, wo die Gewalttätigen seien, die das freie Wort nicht ertrügen.

Friedliches Anti-SVP-Fest

Das eigentliche Fest der Anti-SVP-Koalition auf dem Münsterplatz wurde laut Polizei von rund 3000 Personen besucht, es verlief bis am Abend friedlich. Redner kritisierten das «rassistische und menschenverachtende» Gedankengut der SVP, gegen das es sich aufzulehnen gelte.

Die Gegenkundgebung war von über 50 Organisationen unterstützt worden, darunter die JungsozialistInnen Schweiz, Attac Schweiz, die PDA Schweiz, das Grüne Bündnis der Stadt Bern, mehrer UNIA-Sektionen sowie Gruppierungen aus dem links-autonomen und anarchistischen Spektrum.

Von Randalierern distanziert

Die Organisatoren der Gegenkundgebung distanzierten sich von den Randalierern. Man könne nur die Verantwortung für das Fest auf dem Münsterplatz übernehmen, und dieses sei friedlich verlaufen, sagte der grüne Berner Stadtrat Daniele Jenni.

Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit müssten für alle gewährleistet bleiben, schreibt die SP Schweiz. Die Gewalt der Chaoten sei inakzeptabel.

18 Verletzte, 42 Festnahmen

Laut Polizei kam es zu keinen direkten Konfrontationen zwischen Links- und Rechtsextremen. 18 Personen wurden verletzt, unter ihnen zehn Polizisten. 42 Personen wurden festgenommen, den Sachschaden bezifferte die Polizei auf mehrere 10'000 Franken.

Empörung bei der SVP und SP

Was sich in Bern abgespielt habe sei eine «Schande für die Schweiz», liess die SVP verlauten. Zwei Wochen vor den Wahlen sei der Schweiz gezeigt worden, welche unhaltbaren Zustände man wegen den Linken im Land in Kauf nehmen müsse.

Auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät verurteilte die Ausschreitungen aufs Schärfste. Sie seien ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Demokratie.

Aufmerksamkeit angezogen

Die extreme Linke habe er SVP mit den Ausschreitungen «einen Dienst erwiesen», sagte der Berner Politologe Georg Lutz. Sie habe Aufmerksamkeit auf sich lenken können und werde möglicherweise von einem Solidarisierungseffekt der Wählenden profitieren.

(sda/ap/hues/hesa)

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