Schweiz
Vorerst keine Folgen für Jungfrau-Bergführer
Armee will Abschluss der Untersuchungen abwarten
Das von der Militärjustiz eröffnete Strafverfahren zum Lawinenunglück an der Jungfrau mit sechs toten Soldaten hat vorläufig keine Konsequenzen in der Armee. Die nächste RS der Gebirgsspezialisten beginnt wie geplant und die beiden Bergführer, gegen die wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, arbeiten weiter.
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Adäquate Massnahmen würden erst getroffen, wenn die Untersuchung abgeschlossen sei, erklärte der Kommandant Heer, Luc Fellay.
Die nächste RS der Gebirgsspezialisten werde am 29. Oktober beginnen. Bis Februar/März würden wie üblich keine Führungstouren durchgeführt. Dann werde die Lage mit den Bergführern gegebenenfalls neu beurteilt, wenn neue Erkenntnisse vorlägen.
Die beiden Bergführer, die bei der Unglückstour dabei waren und gegen die nun eine Untersuchung wegen Verdachts auf mehrfache fahrlässige Tötung eröffnet wurde, setzen ihre Arbeit fort, wie Fellay sagte. Es gelte weiterhin die Unschuldsvermutung, und die beiden würden von den Armeeverantwortlichen begleitet und unterstützt.
Die am Donnerstag von der Militärjustiz präsentierten Zwischenergebnisse kommentierte Fellay nicht. Die Militärjustiz arbeite unabhängig, und die Armeeverantwortlichen akzeptierten ihre Ergebnisse als Fakten. Sie hätten zur Kenntnis genommen, dass nun eine Strafuntersuchung eröffnet worden sei, die eventuell noch auf weitere Kommandostufen ausgedehnt werden könne.
Zur Befehlskette wurde klargestellt, dass am Tag der Tour allein der Bergführer entscheidet, ob eine geplante Tour in Angriff genommen wird und auf welcher Route. Dort gilt also die Fachkompetenz und nicht die Führungskompetenz der im Organigramm übergeordneten Kommandanten.
Einige Wochen vor der Tour legt der technische Leiter, ein Bergführer, das Gebiet fest, in dem die Touren stattfinden sollen. Für das Ausbildungsprogramm ist grundsätzlich der Schulkommandant zuständig.
Fellay drückte an der Medienkonferenz den betroffenen Familien und Angehörigen der toten Soldaten sein Mitgefühl aus. Die Familien würden auch weiter begleitet.
Die sechs Soldaten im Alter zwischen 20 und 23 Jahren verunglückten am vergangenen 12. Juli auf einer Tour zur 4158 Meter hohen Jungfrau im Berner Oberland. Zwei Dreierseilschaften mit fünf Rekruten und einem Wachtmeister stürzten auf dem Rottal-Sattel rund 1000 Meter in die Tiefe. Die beiden Bergführer und sechs weitere Soldaten überlebten das Unglück.
Laut bisherigen Ergebnissen der Beweisaufnahme waren die jungen Männer einer Lawine, die sie höchstwahrscheinlich selbst ausgelöst hatten, zum Opfer gefallen. Bereits am Unglückstag hatten Bergführer die Frage aufgeworfen, ob die Tour nach den starken Schneefällen der vorangegangenen Tage nicht zu riskant gewesen sei.
(ap/sidd)
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