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International

Die Deutsche Bahn stand still

Freitag, 5. Oktober 2007, 3:32 Uhr, Aktualisiert 19:41 Uhr

Lokführer legten Regionalverkehr lahm

Tausende Bahnkunden in ganz Deutschland haben Verspätungen in Kauf nehmen müssen. Grund war ein Streik der Lokführer im Regionalverkehr von 8 bis 11 Uhr. Deren Gewerkschaft GDL drohte mit weiteren Streiks.

Ein Plakatt «Dieser Betrieb wird bestreikt!» im Vordergrund, eine Bahn-Lok im Hintergrund.
Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hatte sich den Streik vor dem Arbeitsgericht Chemnitz erstritten. (keystone)

Die Bahn fuhr mit Ersatzfahrplänen, rund die Hälfte der sonst üblichen 40'000 Züge war unterwegs. «Millionen Kunden sind zu spät zur Arbeit gekommen», bilanzierte Bahn-Personalchefin Margret Suckale in Berlin. Die Verbindungen mit der Schweiz waren nicht tangiert, wie eine SBB-Sprecherin sagte.

Die Fronten blieben auch nach dem Streik verhärtet. Die GDL wird möglicherweise schon am Dienstag aufs Neue zu Arbeitsniederlegungen aufrufen. Die GDL forderte die Bahn ultimativ auf, ihr bis Dienstag um 13 Uhr ein neues Angebot über einen eigenen Tarifvertrag zu machen.

Im Falle einer «tragfähigen Grundlage» werde die GDL erneut verhandeln und während der Verhandlungen auch nicht streiken, teilte die GDL mit. Sonst provoziere die Bahn weitere Streiks. Die GDL will einen eigenständigen Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Geld für das Fahrpersonal durchsetzen.

Die Bahn lehnt einen separaten Vertrag ab und verweist auf ihr bereits vorgelegtes Angebot. Demnach soll die GDL den mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA erzielten Abschluss mit 4,5 Prozent Einkommensplus übernehmen. Suckale forderte die GDL zu neuen Verhandlungen auf.

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hatte sich den Streik in der Nacht auf Freitag vor dem Arbeitsgericht Chemnitz erstritten. Ein Arbeitskampf im Fern- und Güterverkehr erlaubten die Richter aber nicht, weil dies ihrem Urteil zufolge unverhältnismässig gewesen wäre. Die Bahn war mit dem Versuch gescheitert, den Streik komplett verbieten zu lassen.

Daher kam es vor allem für die auf Regional- und S-Bahn angewiesenen Reisenden zu erheblichen Verspätungen. Doch weder auf den Bahnhöfen noch im Strassenverkehr der Ballungszentren gab es ein Chaos. Viele Pendler machten sich offenkundig am Morgen früher auf den Weg und vermieden so die Streikzeit.

In mehreren grossen Bahnhöfen forderte die Bahn nach eigenen Angaben streikende Lokführer zum Verlassen des Geländes auf. Sie hätten versucht, «massiven Einfluss auf fahrbereite Lokführer zu nehmen und sie bedrängt, sich am Streik zu beteiligen», erklärte ein Bahn-Sprecher.

Zudem hätten GDL-Mitglieder versucht, Servicepersonal daran zu hindern, den Kunden Auskünfte zu geben. Deshalb habe die Bahn von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und die Streikenden aus den Bahnhöfen gewiesen, sagte ein Bahnsprecher.

Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben für einen wochenlangen Streik gerüstet. «Die Bahn kann das sehr, sehr lange durchstehen. Wir sind wirklich gut vorbereitet. Wir haben gelernt aus den alten Streiks», sagte Personalchefin Suckale. Der Ausstand kostet die Deutsche Bahn allein im Personenverkehr über eine Million Euro pro Streiktag.

(ap/sda/meip/sidd)