International
Mehrere Tote in Burma
Militärregierung setzt weiter auf Gewalt
Trotz internationaler Warnungen ist die Militärjunta in Burma hart gegen die Massenproteste vorgegangen. Soldaten erschossen nach Berichten des staatlichen Fernsehens neun Menschen, darunter einen japanischen Fotografen.
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Gemäss den Angaben des von den Militärs kontrollierten Fernsehens wurden elf Demonstranten und über 30 Polizisten und Soldaten verletzt. Die Demonstrierenden hätten Ziegelsteine, Stöcke und Messer auf die Sicherheitskräfte geworfen und versucht, den Soldaten die Waffen zu entreissen, hiess es.
Das staatliche Fernsehen rechtfertigte die Schüsse in die Menge als «Warnschüsse» der Soldaten in einer «verzweifelten Situation». Der Exilsender «Democratic Voice of Burma» in Oslo meldete, mindestens fünf Menschen seien getötet worden, darunter zwei ausländische Pressefotografen.
Die Regierung in Tokio bestätigte, dass bei einer Leiche ein japanischer Pass gefunden wurde. Am Mittwoch waren nach unbestätigten Berichten bis zu acht Menschen in den Strassen Ranguns ums Leben gekommen.
Militär und Polizei räumten eine der grossen Strassen in der Nähe der abgeschirmten Sule-Pagode, einem der Zentren des friedlichen Widerstands buddhistischer Mönche. Dort hatten sich erneut 10'000 Demonstranten versammelt und gegen das seit 45 Jahren herrschende Militärregime aufbegehrt.
Unter ihnen waren nur noch wenige Mönche. Die Demonstranten flüchteten, als das Militär mit «extremen Aktionen» drohte. Über Lautsprecher wurden die Protestierenden zum Rückzug binnen zehn Minuten aufgefordert. Andernfalls würden sie erschossen.
Zur Unterbindung weiterer Proteste hatten Soldaten bereits in der Nacht mehrere Klöster gestürmt. Allein in der Hafenstadt Rangun seien 200 Mönche abgeführt worden, im ganzen Land seien es mindestens 500 gewesen, berichteten Augenzeugen. Bei der Aktion sei ein Mönch getötet worden.
Ein britischer Diplomat berichtete, im Kloser Ngwe Cha seien Mönche schwer misshandelt worden. Augenzeugen berichteten zudem von Plünderungen. «Es ist wie in der Hölle, die Klöster werden gestürmt und die Mönche grausam behandelt.»
Nachdem sich der UNO-Sicherheitsrat wegen des Widerstands Chinas bei einer Dringlichkeitssitzung in New York nicht auf eine Verurteilung des Blutvergiessens in Burma hatte einigen können, warnte Peking das befreundete Militärregime vor einer weiteren Zuspitzung.
Es müsse vermieden werden, «dass die Situation eskaliert und komplizierter wird», sagte die Sprecherin des Aussenministeriums, Jiang Yu, in Peking.
Die USA verlangten ein Ende der Gewalt. Alle Länder mit Einfluss auf das Regime in Burma müssten diesen geltend machen, damit die Generäle den Wunsch der Menschen nach einem demokratischen Wandel nicht mit Gewalt unterdrückten, erklärte US-Präsident George W. Bush in Washington.
Die US-Regierung hat als Reaktion auf die gewaltsame Eskalation zudem Sanktionen gegen 14 Mitglieder der herrschenden Militärjunta verhängt. Damit sind Vermögenswerte der teilweise namentlich genannten, hochrangigen Regierungsvertreter in den USA eingefroren. US-Bürger ist es verboten, mit den Betroffenen in geschäftliche Beziehung zu treten.
Auch der Verband Südostasiatischer Staaten (ASEAN) verurteilte die Gewalt gegen die Demokratiebewegung in seinem Mitgliedsland Burma.
In Genf protestierten am Donnerstag etwa 50 Menschen vor der Botschaft Burmas gegen das gewaltsame Vorgehen der Junta. Zur Demonstration aufgerufen hatten Amnesty International und die Gesellschaft Schweiz-Burma.
Unterdessen sagte die burmesische Militärjunta zu, den Sondergesandten von UNO-Generalsekretär Ban Ki Mon, Ibrahim Gambari, zu empfangen. Wann Gambari nach Burma reisen werde, teilte Bans Sprecherin in New York jedoch nicht mit.
(ap/sda/kons/sidd)
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