International
Rote-Khmer-Vize bestreitet Schuld
«Bruder Nummer zwei» will nichts gewusst haben
Der ehemalige Vize-Chef der Roten Khmer, Nuon Chea, hat vor dem UNO-Tribunal für Kambodscha seine Unschuld beteuert.
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Er habe sich nicht an der Tötung von 1,7 Millionen Menschen unter der Herrschaft der Kommunisten in dem südostasiatischen Land beteiligt, sagte «Bruder Nummer zwei» einem Gerichtsprotokoll zufolge aus.
«Wir hatten keinen direkten Kontakt mit der Basis, und wir wussten nicht, was da los war», erklärte Nuon Chea. Er selbst habe 40 Verwandte in der Diktatur von 1975 bis 1979 verloren. Brutalität sei ihm als früherem buddhistischen Mönch fern, beteuerte er.
Die beiden Ermittlungsrichter, die sein Alter mit 81 angaben, sehen das anders: «Im Licht der vielen Dokumente und Zeugenaussagen, die Nuon Chea belasten, gibt es guten Grund zu der Annahme, dass er die Verbrechen, derer er angeklagt ist, begangen hat», teilten sie mit.
Nuon Chea wurde auch der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen angeklagt. Er habe als Verantwortlicher für den Sicherheitsapparat Mord, Folter, Verfolgung, Deportation und Versklavung geplant, befohlen oder überwacht, steht in der Anklageschrift.
Da Kambodscha unter den Roten Khmer in einen bewaffneten Konflikt mit Vietnam verwickelt war, wurde er auch wegen Verstössen gegen die Genfer Konventionen zum Schutz von Kriegsgefangenen angeklagt.
Die Roten Khmer wollten einen maoistischen Bauernstaat schaffen. Sie vertrieben die Stadtbevölkerung, ermordeten Intellektuelle und zwangen die Menschen in Arbeitslanger. Bis zu zwei Millionen kamen in der fast vierjährigen Schreckensherrschaft ums Leben.
Ausser Nuon Chea ist bislang nur ein anderer ehemaliger Kader der Roten Khmer angeklagt: Kang Keng Iev, der Aufseher des berüchtigten Foltergefängnisses in Phnom Penh, in dem 17'000 Menschen zu Tode kamen.
Nuon Chea ist der ranghöchste und älteste noch lebende Führer der Rote-Khmer-Diktatur. Er hatte einen Schlaganfall und wurde kürzlich einem gründlichen Gesundheits-Check im Spital unterzogen. Er sei guter Verfassung, sagte der Tribunal-Sprecher.
In der kambodschanischen Bevölkerung besteht grosse Sorge, die Angeklagten könnten ihrem Prozess vor dem Tribunal durch ihren Tod entgehen. Der einstige Militärchef der Roten Khmer, Ta Mok, starb im vergangenen Jahr in einem Militärgefängnis, Chefideologe Pol Pot starb bereits 1998.
(sda/bosy)
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