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Kultur

Popkomm wirft Schatten voraus

Mittwoch, 5. September 2007, 5:26 Uhr, Aktualisiert 07:38 Uhr

Kunst, Kommerz und krasse Klänge

Wenn es Nacht wird bei der Popkomm, bricht in Berlin das Party-Fieber aus. Auch in diesem Jahr gibt es vom 19. bis 21. September hunderte Konzerte in grossen und kleinen Clubs.

Ein Künstler in dunkel-gestreiftem Anzug, mit einem Preis in der rechten Hand, spricht ins Mikro.
Paul Weller soll sich bei der diesjährigen Popkomm in Berlin die Ehre geben. (keystone)

Aber es wird nicht nur gefeiert, sondern auch gearbeitet: Im Publikum werden mehr oder weniger unauffällige Personen zu sehen sein, die professionell die Ohren spitzen: Ist das Musik für mein Label, für meinen Markt zuhause?

Die Musiker grooven und rocken für Lizenzen und Tourneen - Voraussetzungen für den internationalen Durchbruch. Sie brauchen Lizenznehmer, die ihr Album in ihrem Land veröffentlichen, den Kontakt zu Konzertagenturen, die ihnen Auftrittsmöglickeiten organisieren.

Bands wie dieses Jahr Detlef Zoo, Superfamily, Laura Imbruglia, Stalingrad Cowgirls und The Grand kommen natürlich mit der Hoffnung, sich mehr als eine Zugabe vor einem jubelnden Publikum zu erspielen.

Der Manager der norwegischen Indie-Rockband Delaware, Tom Skjölingstad, sagt über den Auftritt seiner Schützlinge vor zwei Jahren: «Nachdem Delaware einen sehr erfolgreichen Popkomm-Showcase gespielt hatte, bekamen wir Lizenzen in den USA, Japan, Russland, Norwegen und weiteren Ländern. Wir schätzen einen Auftritt bei der Popkomm als einen von vielen Schlüsseln zum Erfolg ein.»

Auch das Londoner Rock-Trio Belasco denkt gerne an seinen Popkomm-Auftritt 2004 zurück. «Wir haben auf der Popkomm gespielt und das hat uns direkt einen grossen Vertrag in Australien gebracht und die Tür in viele Länder geöffnet», teilt die Band mit, die in diesem Jahr wieder in Berlin auftreten wird.

Die kanadischen Alternative-Rocker Jets Overhead sagen, bei ihrem Auftritt im vergangenen Jahr hätten sie viele Kontakte in allen Bereichen der Musikindustrie weltweit geknüpft. «Teilweise als Folge unseres Popkomm-Auftritts wird unser jüngstes Album 'Bridges' demnächst überall in Europa veröffentlicht», teilte die Band im Frühjahr mit. Bis Juli ist das tatsächlich in Grossbritannien und Irland geschehen.

Bermuda Triangle aus Norwegen erspielten sich im vergangenen Jahr auf der Popkomm die Eintrittskarte in den nordamerikanischen Markt. «Wir stellten bei unserem Showcase nützliche Kontakte zu Plattenfirmen und Produzenten her», sagt Keyboarder Jan-Tore Diesen. «Das Wichtigste war aber, dass wir in die USA und zu SxSW (dem South by Southwest Festival in Austin/Texas) eingeladen wurden. Dieses Frühjahr sind wir das erste Mal durch Nordamerika getourt.»

Neben den Musikern profitiert auch die Hauptstadt von der Popkomm und ihren Konzerten. Mitglieder der Indie-Rockband The Golden Dogs outen sich als wahre Berlin-Fans: «Seit wir zurück (in Kanada) sind, versuche ich, ein paar Freunde zusammenzutrommeln, die mit mir nach Berlin ziehen», sagt Schlagzeuger Taylor Knox. «Aber bevor es dazu kommt, freue ich mich darauf, so bald wie möglich wiederzukommen!»

Seine Kollegin, Keyboarderin Jessica Grassia, lobt: «Ein sehr organisiertes Festival, grossartiger Veranstaltungsort, fantastischer Sound und professionelle Techniker - das sind wir in Kanada nicht gewöhnt.» Über Berlin sagt sie: «Schöne Stadt, sehr freundlich und entspannt.»

Der einzige, auch ausserhalb von Musikerkreisen genannte Kritikpunkt hängt mit der Grösse Berlins zusammen. «Ich würde sagen, die Messe war wirklich weit weg von den Konzerten, und das hat genervt», sagt Dante Berardi von den kanadischen Alternative-Rockern Goodbye Glory. Die Messe sei aber eine grossartige Gelegenheit, wichtige Leute zu treffen.

Zur diesjährigen Popkomm kommen nach Angaben der Veranstalter 450 Musiker und DJs aus 35 Ländern. Von rockigem Alternative-Funk aus Litauen über Latin-Rap aus Brasilien bis Electropop aus Island sei alles dabei, neben Newcomern werden aber auch etablierte Künstler wie Billy Bragg und Paul Weller erwartet.

Ein Schwerpunkt ist Musik «Made in Germany»: Auftreten werden The Robocop Kraus, Super 700, Extrabreit, die Bolschewistische Kurkapelle, Paul van Dyk, Polarkreis 18, Kante, Turbostaat sowie das Sonar Kollektiv Orchester.

(ap/halp)