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Lokführer bestreiken S-Bahnen

Mittwoch, 8. August 2007, 21:17 Uhr, Aktualisiert 09.08.2007, 14:18 Uhr

Verkehrschaos bleibt aus

Die deutsche Lokführer-Gewerkschaft GDL hat ihren angekündigten Streik bei der Berliner und Hamburger S-Bahn im morgendlichen Berufsverkehr begonnen. Streikende Lokführer legten den S-Bahn-Verkehr in Berlin und Hamburg grösstenteils lahm.

Aufnahme im Ostberliner Bahnhof: Zwei GDL-Mitglieder mit Fahnen sind zu sehen.
Für zwei Stunden stehen in Hamburg und Berlin die S-Bahnzüge still. (reuters)

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Pünktlich um 08.00 Uhr waren die ersten Züge in den Hauptbahnhöfen der Haupt- und der Hansestadt stehengeblieben. «Die Motivation der Kollegen zum Streik ist gross», sagte der Vorsitzende des GDL-Bezirks Nord, Norbert Quitter.

Einige Lokführer kamen mit Plakaten, Trillerpfeifen und hellen Westen. In Berlin fuhren nur vereinzelt S-Bahnen durch den Hauptbahnhof. Diese waren zum Teil von Lokführern übernommen worden, die nicht der GDL angehören. Die Züge blieben in den Bahnhöfen, nicht aber auf freier Strecke stehen.

«Wir wollen ja die Reisenden nicht in Haft nehmen», sagte der für Berlin, Brandenburg und Sachsen zuständige GDL-Bezirksvorsitzende Hans-Joachim Kernchen.

Ein Verkehrschaos blieb aber aus. Reisende waren entweder früher zur Arbeit gefahren oder nutzten die Möglichkeit, auf Regionalzüge oder die U-Bahn umzusteigen. Ab 10.00 Uhr rollten die Züge wieder.

In Hamburg könnten die Bahnen aber erst drei bis vier Stunden nach Streikende wieder planmässig verkehren, teilte die Lokführergewerkschaft GDL mit. Die Bahn forderte die Gewerkschaft zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale forderte im ARD-»Morgenmagazin» eine Fortsetzung der Verhandlungen: «Wir müssen sprechen, denn es darf nicht sein, dass dieser Streik weiter auf dem Rücken der Kunden ausgetragen wird, die nun wirklich nichts dafür können.» Die GDL setze immer wieder falsche Gehaltszahlen in die Welt. Tatsächlich verdiene ein Lokführer im Durchschnitt 2100 Euro netto im Monat, betonte Suckale.

GDL-Chef Manfred Schell sagte der «Passauer Neuen Presse», man sei weiter offen für den Einsatz eines Vermittlers: «Ich habe mir vorgenommen, der Bahn am heutigen Donnerstag ein Angebot zu machen, wie ich mir das vorstelle.» Ausserdem rechnet er mit einem Erfolg seines Widerspruchs gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Nürnberg, das einen Bahnstreik während der Ferienzeit verboten hatte.

Der Streik sei dennoch in jedem Fall rechtens: «Für uns steht das völlig ausser Frage, selbst wenn das drei Gerichte hintereinander anders gesehen haben.» Das Grundgesetz sei immer noch in Kraft, ebenso die Koalitionsfreiheit und das Streikrecht, betonte Schell.

Die GDL hatte zunächst für Donnerstag Streiks im Güterverkehr geplant, um im Streit mit der Bahn ihre Forderungen unter anderem nach 31 Prozent mehr Lohn durchzusetzen. Das Arbeitsgericht Nürnberg untersagte jedoch per einstweiliger Verfügung bundesweit Arbeitsniederlegungen im Güter- und Fernverkehr.

Die GDL legte Widerspruch gegen das Urteil ein und will laut Schell die Verweisung der Streitsache an das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main beantragen, wo die GDL als beklagte Partei ihren Sitz hat.

Das Arbeitsgericht Chemnitz verbot zudem Streiks bei der DB Regio. Zur DB Regio zählt der Nahverkehr mit Ausnahme der S-Bahnen in Berlin und Hamburg, die bestreikt wurden. Mit den Streiks traf die GDL eines der wichtigsten Nahverkehrsmittel der beiden grössten deutschen Städte: Durchschnittlich nutzen täglich 1,9 Millionen Menschen die Züge.

(sda/ap/stom/kons/bosl)