Schweiz
Expertenstreit über Jungfraudrama
Schneebrett unterschiedlich beurteilt
Ist das Bergunglück an der Jungfrau durch ein Schneebrett ausgelöst worden oder nicht? Auch eine Woche nach dem Unglück sind sich die Experten uneinig. Für Armin Oehrli, Präsident der Bergunfallkommission, ist indes klar: Nur ein Schneebrett kommt in Frage.
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«Man muss nicht mehr diskutieren; der Unfall ist ohne direkte Einwirkung des Schneebretts praktisch nicht erklärbar». Dies sagte Armin Oehrli, Präsident der Arbeitsgruppe für Expertisen bei Bergunfällen, zu einem Bericht der Sendung «10 vor 10» vom Dienstag.
Alternative Erklärungsversuche bezeichnete Oehrli als «Spekulationen». Für den direkten Zusammenhang zwischen Schneebrett und Absturz spreche primär, dass alle 14 Teilnehmer ins Rutschen geraten seien. «Dafür braucht es eine gute Erklärung, wenn es kein Schneebrett gewesen sein soll». Zudem seien die Rettungskräfte zu einem Lawinenunfall gerufen worden.
Dieser Hergang widerspreche nicht den Äusserungen des Obergefreiten Alain Perusset nach der Trauerfeier in Andermatt, sagte Oehrli weiter. Perusset, der in der dritten Seilschaft aufgestiegen war, hatte gesagt, keine Lawine bemerkt zu haben. Er sei gestürzt, weil der Vordermann auf ihn gefallen sei.
Es sei plausibel, dass Perusset das Geschehen «im Augenblick so wahrgenommen hat», sagte Oehrli. Ein solcher Unfall geschehe blitzschnell, «man realisiert erst beim Aufstehen, was passiert ist».
Georg Flepp, Präsident des Schweizer Bergführerverbandes, entgegnete die Äusserungen Oehrlis: «Auf Grund von Zeugenaussagen war die Lawine unten und die Leute sind noch gestanden.» Und weiter: «Es ist plausibel, dass die vier Seilschaften und die beiden Bergführer ohne direkte Einwirkung des Schneebretts gestürzt sind».
An der Medienkonferenz der Armee hatte Flepp gesagt, die Bergführer hätten den Abgang eines Schnebretts beobachtet. Einer von ihnen haben den Voransteigenden zugerufen: «Bleibt ruhig das Schneebrett trifft uns nicht». Einige Augenblicke später seien die beiden ersten Seilschaften auf die Bergführer hinabgerutscht. «Es scheint so, als sei jemand gestürzt und hätte alle mitgerissen.»
Das Departement für Verteidigung und Sport gab zudem bekannt, dass laut Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern Alkohol oder Drogen keine Rolle beim Unfall gespielt hatten.
(sda/meip)
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