Schweiz
Jungfrau-Drama angeblich wegen Sturz
Augenzeuge hat keine Lawine gesehen
Fünf Tage nach dem Bergdrama an der Jungfrau mit sechs toten Soldaten hat erstmals einer der Überlebenden öffentlich Stellung genommen. Der 20-jährige Soldat sagte vor den Medien in Andermatt, er selber habe nichts von einer Lawine mitbekommen.
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Der Obergefreite Alain Perusset war nach eigenen Angaben am vergangenen Donnerstagmorgen in der dritten Seilschaft hinter jenen sechs Kameraden unterwegs, die beim Aufstieg auf die Jungfrau oberhalb des Rottal-Sattels in den Tod stürzten.
Bei der Routenwahl an der fraglichen Stelle habe es sich um eine gemeinschaftliche Entscheidung gehandelt und nicht um einen Befehl, sagte der Gebirgssoldat. Und zwar habe man sich für den Grat entschieden und gegen eine Mulde, in der viel Triebschnee gewesen sei. Auf dem Grat sei der Neuschnee weggeblasen gewesen. Man sei auf «gutem Trittschnee» unterwegs gewesen.
Er persönlich habe nichts von einer Lawine bemerkt, berichtete Perusset weiter. Vielmehr sei sein Vordermann auf ihn gefallen. Seine nachfolgenden Kameraden seien ebenfalls gestürzt, nach wenigen Metern aber zum Stillstand gekommen. Die vorderen beiden Seilschaften seien demgegenüber direkt in die Falllinie gestürzt. Weitere Angaben zum Unglückshergang machte die Armee an der Medienorientierung nicht.
Laut bisherigen Informationen hat sich in der fraglichen Zeit mindestens ein Schneebrett gelöst. Gemäss Militärjustiz deuten die bisherigen Zeugenaussagen aber nicht auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Lawine und dem Absturz der sechs Soldaten hin.
Der Stellvertreter des Kommandanten im Kompetenzzentrum Gebirgsdienste der Armee in Andermatt, Ivo Burgener, schilderte die Ereignisse vor dem Unfall wie folgt: Um 05.00 Uhr brachen zwei Siebnergruppen von der Mönchsjochhütte zur Jungfrau auf.
Einer der Soldaten beklagte sich bald nach dem Abmarsch über Magenprobleme und Übelkeit und brach die Tour ab. Aus gesundheitlichen Gründen waren zwei weitere Soldaten in der Mönchsjoch-Hütte zurückgeblieben, einer wegen eines Knieproblems, der andere wegen Krankheit.
Eine weitere Gruppe machte sich um 06.00 Uhr zu einer Tour auf den Mönch auf.
An der Medienkonferenz nahm auch der Präsident des Schweizer Bergführerverbands, Georg Flepp, teil. Er berichtete, dass sein Bergführerkollege Harry Sonderegger seine öffentliche Kritik an der Routenwahl inzwischen bedaure. Sonderegger lasse ausrichten, dass es ihm nicht darum gegangen sei, einen Kollegen in die Pfanne zu hauen.
Sonderegger hatte in Interviews am Wochenende gesagt, er habe einen Bergführer der Armee vergeblich vor der Lawinengefahr gewarnt. Sonderegger ist gemäss Flepp inzwischen seinerseits Objekt von Drohungen per Telefon und E-Mails geworden.
(ap/from/bers)
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