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«Nie und nimmer auf die Jungfrau»

Samstag, 14. Juli 2007, 23:51 Uhr, Aktualisiert 16.07.2007, 10:28 Uhr

Bergführer äussert sich zu Rekrutenunfall

Die an der Jungfrau tödlich verunfallten Soldaten haben ihre Tour offenbar trotz Warnungen angetreten. Mindestens ein ziviler Bergführer hatte seinen Kollegen von der Armee vom Aufstieg zur Jungfrau abgeraten.

Der schneebedeckte Gipfel der Jungfrau im Berner Oberland.
Trotz Warnung sind die Soldaten zur Jungfrau-Tour aufgebrochen. (reuters)

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«Ich sagte am Vorabend zu einem der beiden Armee-Bergführer, dass eine Tour auf die Jungfrau viel zu riskant ist», bestätigte Harry Sonderegger einen Bericht der «NZZ am Sonntag».

Der Bergführer und Dozent für Bergsport an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen (BE) wäre «nie und nimmer auf die Jungfrau gegangen. Jeder hat an dem Abend eingesehen, dass das zu gefährlich ist.»

Laut Sonderegger sei die Armeetruppe gemäss einem Augenzeugen bereits am Mittwoch in die Südwand des Mönchs eingestiegen und habe dort ein Schneebrett ausgelöst. Dies hätte den Bergführern eine Warnung sein müssen, sagte er.

Am Abend sei die geplante Tour der Armee zur Jungfrau in der Mönchshütte unter den zivilen Bergführern und Gästen das Gesprächsthema Nummer eins gewesen. Er habe den Armee-Bergführer gewarnt und ihm auf Grund des Geschehens am Mönch gesagt, dass seine Truppe «sehr sportlich und aggressiv» unterwegs sei.

Der Mann habe darauf überhaupt nicht reagiert, sagte Sonderegger. Erst heute sei ihm klar, «dass er mich möglicherweise nicht verstanden hat». Die Armeeangehörigen hätten sich von den zivilen Hüttengästen eher distanziert, «ich habe deshalb nicht mitbekommen, dass sie französisch reden».

Mit einem anderen Mitglied der Gebirgstruppe, einem Unteroffizier, hat Sonderegger am Abend ein längeres Gespräch geführt. «Ich habe ihm klar gemacht, dass es verantwortungslos ist, am Donnerstag auf die Jungfrau zu gehen.»

Der Unteroffizier sei am Donnerstag zusammen mit sechs oder sieben weiteren Soldaten zum Mönch aufgebrochen, über eine Route, die nicht über lawinengefährdete Hänge führt. Ob die Gruppe von Anfang an zum Mönch wollte oder ihre Pläne auf Grund der Warnungen geändert habe, wisse er nicht, sagte Sonderegger.

Die Hüttenwartin der Mönchsjochhütte bestätigte, sieben Armeeangehörige seien am Donnerstag zum Mönch aufgebrochen. Insgesamt hätten 24 Armeeangehörige in der Nacht auf Donnerstag in der Hütte übernachtet.

Die Untersuchungsbehörden kommentierten die Angaben nicht. Es sei zu früh für definitive Aussagen über Umstände und Hergang des Vorfalls, sagte ein Sprecher der Militärjustiz. Es würden aber alle Personen befragt, die zur Aufklärung des Unfalls beitragen könnten.

Bei dem Unglück waren am Donnerstag sechs Rekruten und ein Unteroffizier beim Aufstieg auf die Jungfrau von einer Lawine erfasst worden und ums Leben gekommen. Sie gehörten zur Gebirgsspezialisten-RS aus Andermatt (UR).

Ihre Leichen hat der militärische Untersuchungsrichter am Wochenende den Familien übergeben. Zuvor seien die Autopsien durchgeführt worden, sagte der Militärsprecher.

Nun können Angehörige und Freunde von den Verunglückten Abschied nehmen. Gemäss Todesanzeigen finden am Montag im Wallis und im Kanton Freiburg Trauerfeiern statt. Die offizielle Trauerfeier für die sechs Opfer ist für Dienstag in der Kirche Andermatt (UR) geplant.

(sda/bosy)