Inhalt

Militärjustiz untersucht Jungfrau-Drama

Freitag, 13. Juli 2007, 11:22 Uhr, Aktualisiert 14.07.2007, 12:10 Uhr

Abschluss im Oktober - Lawinengefahr zur Unfallzeit

Die Untersuchungen des Lawinenunglücks an der Jungfrau dürften Monate dauern. Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen. Für die sechs getöteten Armeeangehörigen wird am Dienstag in Andermatt (UR) eine Trauerfeier abgehalten.

Aufnahme des Leichenwagens, der die toten Armeeangehörigen nach Bern brachte
Die Leichen der sechs Verunfallten wurden ins Rechtmedizinische Institut der Universität Bern gebracht. (keystone)

Bei der Beweisaufnahme arbeitet der militärische Untersuchungsrichter mit der Berner Kantonspolizei, dem Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) und der Rechtsmedizin Bern zusammen. Am Freitag wurden unter anderem auch an der Unglücksstelle Ermittlungen durchgeführt.

Es sei mit mehrmonatigen Untersuchungen zu rechnen, sagte Martin Immenhauser, Sprecher der Militärjustiz. Resultate sollten im Oktober vorliegen.

Derweil diskutieren Bergführer darüber, ob der Aufstieg zu riskant war. Urs Wellauer, der Vizepräsident des Bergführerverbands, erinnerte daran, dass der erste schöne Tag nach Neuschnee immer der gefährlichste sei.

Wellauer fragt sich, weshalb die Rekruten erst um 10 Uhr morgens die gefährliche Stelle bei dem Aufstieg zur Jungfrau passiert haben: «Wenn die Gruppe um 5 Uhr startete, hätte sie bei normalen Bedingungen um 10 Uhr auf dem Abstieg sein müssen», sagte er. Es sei denkbar, dass der Neuschnee die Soldaten gebremst habe.

Er selber sei an der betreffenden Stelle schon zwei Mal umgekehrt - einmal, weil das blanke Eis hervortrat, das andere Mal, weil er Angst vor Lawinen gehabt habe. Der Unglückshang könne aber nicht vom Tal aus beurteilt werden. Deshalb könne und wolle er nicht spekulieren, ob die Gruppe zu viel riskiert habe.

Der Kommandant der Gebirgsspezialtruppen, Andreas Bardill, verteidigte in Zeitungs-Interviews den Einsatz. Auch wenn ein Krieg in der Schweiz wohl nicht im Hochgebirge stattfinden würde, brauche die Armee Soldaten, die sich dort bewegen könnten.

Um den Ernstfall zu trainieren, brauche es ein hartes Umfeld. Bei ihren Einsätzen gingen die Gebirgsspezialisten aber keinesfalls an Grenzen: «Für uns gelten die gleichen Beurteilungen der Gefahren und Risiken wie im Freizeitbergsport.»

Sukkurs erhielt Bardill von Armeechef Christoph Keckeis. Er sei überzeugt, dass die Gebirgsspezialtruppen hoch professionelle Arbeit leisteten, sagte er in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Für ihn drängten sich wegen des Unfalls keine sofortigen Massnahmen auf.

Im Westschweizer Fernsehen entschuldigte sich Keckeis beim Vater eines Opfers. Dieser hatte sich darüber beklagt, dass es sehr lange gedauert habe, bis ihn die Armee über den Tod seines Sohnes informiert habe. Man habe zuerst 100 Prozent sicher sein wollen, bevor man die Angehörigen kontaktiert habe, entgegnete Keckeis.

Eine Trauerfeier für die sechs Opfer findet am Dienstag um 14 Uhr in der Kirche von Andermatt statt. Teilnehmen werden die Angehörigen der Verstorbenen, Vertreter der Behörden und auch Bundesrat Samuel Schmid, wie Heeres-Sprecherin Kirsten Hammerich sagte.

Auch Vertreter aus den Kantonen der Opfer wollen der militärischen Zeremonie beiwohnen. Bei dem Lawinenunglück waren fünf Rekruten und ein Wachtmeister getötet worden. Vier der Opfer stammen aus dem Kanton Wallis, je eines aus Freiburg und der Waadt.

(sda/kons/hesa)