Schweiz
Sechs Soldaten bei Bergunfall getötet
Drama an der Jungfrau
Bei einem Unglück an der Jungfrau sind sechs Westschweizer Angehörige der Armee ums Leben gekommen. Es handelt sich um Angehörige der Gebirgsspezialisten-RS in Andermatt (UR). Die Unglücksursache ist noch unklar.
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Als Ursache des Unglücks wird Neuschnee vermutet, der in den letzten Tagen gefallen ist. Wie der Einsatzleiter der Rettungsstation Lauterbrunnen, René Feuz, bestätigte, befanden sich die Bergsteiger in zwei Dreierseilschaften auf der Normalroute für den Aufstieg zur 4158 Meter hohen Jungfrau.
Auf einer Höhe von rund 3800 Metern über Meer habe sich kurz vor 10.00 Uhr vermutlich Neuschnee der vergangenen Tage gelöst und die beiden Seilschaften mitgerissen. Die sechs Armeeangehörige seien über eine steile Bergflanke mehrere hundert Meter tief ins Rottal abgestürzt.
Alle sechs hätten nur noch tot geborgen werden können. Die Rekruten seien von Bergführern begleitet gewesen, sagte Kirsten Hammerich von der Kommunikation Heer in der Spezialausgabe der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SF. Sie seien «exzellent ausgerüstet» und «gut ausgebildet» gewesen. Sie waren in der 17. von 21 Ausbildungswochen.
Die Getöteten sind zwischen 20 und 23 Jahre alt und stammen alle aus der Westschweiz; vier aus dem Kanton Wallis, je einer aus den Kantonen Waadt und Freiburg. Es handelt sich um fünf Rekruten und einen Wachtmeister, wie Fred Heer, stellvertretender Chef Heer der Armee mitteilte.
Die Opfer wurden mit Helikoptern der Rega und Air Glacier aus einem Gebiet geborgen, das zu Fuss nicht zugänglich ist. Sie wurden auf den Heliport Lauterbrunnen gebracht, wie Feuz in einem Interview von «Radio 24» weiter sagte.
Weitere Bergsteiger, die Richtung Jungfrau unterwegs waren, wurden vorsorglich evakuiert. Von ihnen sei niemand verletzt worden, sagte der Einsatzleiter. Er sprach von einem sehr schlimmen Unfall, wie er ihn noch nie erlebt habe.
Die Ursache des Unglücks stand zunächst nicht fest. Gemäss Feuz ist unklar, ob die sechs Betroffenen von einer Lawine mitgerissen worden seien, oder ob es sich um einen Absturz handelte. Sicher sei, dass nach den tiefen Temperaturen der vergangenen Tage in der Region für die Jahreszeit viel Schnee liege.
Im Jungfraugebiet herrschte am Donnerstag eine erhöhte Lawinengefahr. Allein seit Montag gab es am westlichen Alpennordhang in der Höhenlage um 3800 Meter rund 50 Zentimeter Neuschnee.
Wegen fehlender Erhebungen im Sommer kann für das Jungfraugebiet zur Zeit keine konkrete Gefahrenstufe der Lawinengefährdung ausgegeben werden, sagte Thomas Stucki vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF).
Auf Grund der Neuschneemengen sei aber «von einer erhöhten Lawinengefahr» auszugehen. Ob die Routenwahl der verunglückten Soldaten zum entsprechenden Zeitpunkt zu gefährlich gewesen sei, könne anhand der konkreten örtlichen Gegebenheiten beurteilt werden.
Eine Lawinenwarnung publizierte das SLF nicht, wie Stucki weiter sagte. Üblich sei dies im Hochsommer nur bei ausserordentlich hohen Schneemengen bis an die Waldgrenze. Eine solche Situation habe jedoch nicht vorgelegen.
(ap/sda/hesa/sidd)
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