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«Max und Moritz» als Lustknaben

Sonntag, 7. Januar 2007, 14:54 Uhr, Aktualisiert 15:20 Uhr

«Junk-Opera» im Mannheimer Nationaltheater

Max und Moritz nicht als Lausbuben, sondern als sexsüchtige Teenager in der heutigen Zeit - dieses ungewohnte Bild vermittelt eine am Samstagabend im Mannheimer Nationaltheater uraufgeführte Bühnenfassung.

Sitzende und gegen eine Wand gelehnte Frau von vorne. In der rechten Hand hält sie einen aufgespannten Regenschirm. Sie trägt einen roten Rock und ein rot-weiss gestreiftes Oberteil. Auf dem Kopf hat sie einen violetten Turban.
Szene aus «Max und Moritz»: Statt an Streichen sind die beiden Buben eher an Liebe interessiert. (Nationaltheater Mannheim)

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Die Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel nennen die Musical-ähnliche Fassung eine «Junk-Opera». Die junge Komponistin Johanna Zeul hat die Geschichten vertont. Die musikalische Bandbreite der Songs reicht vom Schlager bis zum Punk. Anlass für die Neufassung ist der am 15. April bevorstehende 175. Geburtstag des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch (1832-1908).

Max und Moritz scheinen nur eines im Sinn zu haben: «Liebe machen». Sind die ersten beiden Streiche um das Braten und Verspeisen der drei Hühner und des Hahns der Witwe Bolte noch am Original ausgerichtet, verwandelt sich der Hund Spitz zwischendurch in einen Lustknaben der sexuell völlig ausgehungerten Witwe.

Teilweise in kindischer Weise nimmt der ermüdende Klamauk seinen Lauf. Von Streich zu Streich wird die Geschichte stärker verfremdet. Tiefpunkt der Aufführung ist eine Homo-Erotik-Einlage zwischen Max und Spitz auf einem alten Auto.

Erst nach 90 Minuten wird die Botschaft langsam deutlich: Pubertierende Jugendliche bauen mit Worten Mauern auf. Die Liebe kann sie in diesen selbst gebauten Labyrinthen nur schwer erreichen.

(sda/bosy)