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International

Nur ein Toter bei Luftangriff auf Hula

Montag, 7. August 2006, 9:24 Uhr, Aktualisiert 17:11 Uhr

Ministerpräsident Siniora korrigiert Opferzahl

Beim israelischen Angriff auf den libanesischen Grenzort Hula ist offenbar nur ein Mensch getötet worden. Das teilte der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora mit. Wenige Stunden zuvor hatte er in einer Rede vor Aussenministern der Arabischen Liga noch von mehr als 40 Toten gesprochen.

Siniora wischt sich mit Taschentuch Tränen aus den Augen.
Libanons Premier Siniora ist von der schwierigen Lage in seinem Land deutlich gezeichnet. (tnv)

Er habe sich dabei auf Informationen berufen, die er erhalten habe, sagte Siniora später auf einer Pressekonferenz. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

In seiner Ansprache vor Aussenministern hatte Siniora schluchzend von dem Angriff berichtet. «Es gab ein schreckliches Massaker im Dorf Hula, bei dem mehr als 40 Märtyrer Opfer bewusster Bombardierung wurden.»

Fernsehsender meldeten, die Menschen seien unter den Trümmern eingestürzter Häuser begraben worden. Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie prüften die Vorfälle.

Bei Tyrus und Hula soll es zudem zu Nahkämpfen gekommen sein. Dabei sind nach Hisbollah-Angaben vier israelische Soldaten ums Leben gekommen. Laut israelischen Armee-Quellen wurden die Soldaten lediglich verletzt.

Die israelischen Streitkräfte haben eine Offensive gegen Hisbollah-Stellungen südlich der libanesischen Hafenstadt Tyrus gestartet. Die Soldaten landeten mit Hubschraubern südlich von Tyrus, rund fünf Kilometer nördlich der Grenze, wie die libanesischen Sicherheitsbehörden mitteilten. Anschliessend kam es zu heftigen Gefechten mit Hisbollah-Kämpfern.

Laut Polizei-Angaben waren die Angriffe in der Nacht auf Montag auf Beiruts südlichen Stadtrand, einer Hochburg der Hisbollah, besonders heftig. Aus drei Vorortvierteln stieg dichter schwarzer Rauch auf.

In der südlibanesischen Ortschaft Kana zerstörte die israelische Luftwaffe nach Militärangaben genau diejenigen Raketenwerfer, die für die jüngsten Hisbollah-Angriffe auf Haifa genutzt wurden.

Die libanesische Armee hat am Montag Reservisten einberufen. In einer Mitteilung des Militärs hiess es, die Männer seien zur Verteidigung des Landes aufgerufen. Laut Sicherheitskreisen könnte die Massnahme ein erster Schritt zur Verlegung von Armee-Einheiten nach Südlibanon sein. Dafür würden 15'000 bis 20'000 Soldaten benötigt.

Der Weltsicherheitsrat hatte bereits im vergangenen September in seiner Resolution 1559 die libanesische Regierung aufgefordert, Truppen in der Grenzregion zu Israel zu stationieren und die radikal-islamische Hisbollah-Miliz und andere militante Gruppen zu entwaffnen.

Die libanesische Regierung will nach einem israelischen Rückzug aus Libanon 15 000 Soldaten im Süden des Landes stationieren. Darauf verständigte sich das libanesische Kabinett von Ministerpräsident Fuad Siniora am Montagabend in Beirut.

Die libanesischen Truppen würden nach einem israelischen Rückzug an der genannten Blauen Linie stationiert, sagte Informationsminister Ghasi Aridi nach der Kabinettssitzung. Laut Verteidigungsminister Elias Murr ist die schiitische Hisbollah-Miliz mit dem Plan einverstanden.

(sda/ap/wenn/krop/wyse/fisp)