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Kultur

«Ein Konzert ist vor allem Arbeit»

Mittwoch, 2. August 2006, 16:43 Uhr, Aktualisiert 17:41 Uhr

Good-News-Chef André Béchir plaudert aus dem Nähkästchen

André Béchir organisiert seit 1973 die Auftritte der Rolling Stones in der Schweiz. Die Beziehung sei zwar nicht sehr persönlich, aber Mick Jagger kenne ihn mittlerweile, sagt der Geschäftsführer der Konzertagentur Good News.

Béchir vor Jagger-Bild an Medienkonferenz am 2.8.06
André Béchir: «Jagger geht auf die Bühne, ich widme mich der Organisation». (keystone)

«Ein Konzert ist vor allem Arbeit», sagt Béchir. «Mick Jagger geht auf die Bühne, ich widme mich der Organisation. Selbstverständlich wechseln wir ein paar Worte miteinander. Aber ich sehe meine Hauptaufgabe am Konzerttag nicht darin, private Kontakte zu den Künstlern zu pflegen.»

Den ersten Kontakt als Veranstalter zu den Rolling Stones hatte Béchir anlässlich der Auftritte in Bern 1973. Damals holte er die Stones am Bahnhof ab, da sie - heute undenkbar - mit dem Zug anreisten. Da kam es zu einer kleineren Panne.

«Wir fuhren mit dem Bahnhoflift in ein falsches Stockwerk. So standen wir längere Zeit im Regen. Denn es dauerte, bis der Lift nach diversen Stopps wieder zurückkam.» Als die Stones endlich in einem Mietauto ins Hotel fahren konnten, waren alle klatschnass.

Die Nässe drückte ein wenig auf die Stimmung, war jedoch kein Hinderungsgrund für die weitere Zusammenarbeit. Dies belegen die weiteren von Béchir organisierten Konzerte: 1976 Hallenstadion Zürich, 1982 Basel, 1990 Basel, 1995 Basel (2x), 1998 Frauenfeld, 2003 Letzigrund Zürich, 2006 Militärflugplatz Dübendorf.

Die Zusammenarbeit mit der Band gestaltete sich in all den Jahren immer schwieriger. «Harte Verhandlungen gibt es mit dem Management und einer Armada von Anwälten», sagt der 57-Jährige. Die Vertragsverhandlungen für den Auftritt auf dem Militärflugplatz Dübendorf im Rahmen der aktuellen «A Bigger Bang»-Tournee waren besonders kompliziert.

«Natürlich geht es immer um Geld. Und der Militärflugplatz ist ein Gelände, bei dem es sehr schwierig war, die Kosten zu erfassen, die auf einen zukommen.» Die Lokalität Militärflugplatz sei ja nicht mit einer Stadionmiete vergleichbar. Für den reinen Konzertanlass betrage das Budget 10,5 Millionen Franken.

Wie bei vielen Konzerten geben die Kartenpreise zu reden. Sie bewegen sich zwischen Fr. 149.30 und Fr. 318.60 (inklusive Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln). «Die Preise setzte das Management fest, nicht der Veranstalter», sagt Béchir. Massgebend sei jedoch das Publikum. «Wenn es die Preise nicht mehr bezahlt, ist der Fall für uns klar.»

Denn auch im Musikgeschäft herrsche das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Noch wolle man die Stones sehen. Sie böten Champions- League-Qualität. «Und das seit vierzig Jahren. Das ist schon ein Phänomen. Das schafft kein Sportler», ist Béchir überzeugt.

Béchir, seit seiner Jugend ein Stones-Fan, durfte das legendäre erste Schweizer Konzert der Stones am 14. April 1967 im Zürcher Hallenstadion nicht besuchen. «Die Eltern waren dagegen.» Keine grosse Freude hatten sie auch, als ihr 19-jähriger Sohn 1968 im «Hirschen» im heimatlichen Hinwil sein erstes Konzert organisierte.

«Mir bereitet es jedoch heute noch Genugtuung, wenn bei einem Konzert nichts passiert und die Besucherinnen und Besucher mit einem Erlebnis nach Hause gehen, das ihnen noch lange Freude bereitet. Ich wusste immer, dass mein Talent im Organisieren und nicht im Musizieren liegt», sagt der erfolgreiche Veranstalter.

(sda/wyse)