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International

USA duldeten Misshandlungen von Gefangenen

Sonntag, 23. Juli 2006, 13:35 Uhr, Aktualisiert 14:37 Uhr

Neuer Human-Rights-Watch-Bericht zu Abu Ghraib

Auch nach dem Folterskandal von Abu Ghraib sind nach Angaben von Human Rights Watch Gefangene in US-Haft im Irak misshandelt worden. Dies geht aus dem jüngsten Bericht der Menschenrechtsorganisation hervor.

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Mit Wissen der Armeeführung seien Iraker zwischen 2003 und 2005 schwer geschlagen, am Schlaf gehindert oder extremen Temperaturen ausgesetzt worden, heisst es in dem Bericht. Die Verantwortlichen der Armee hätten die Folter nicht nur toleriert, sondern dazu ermuntert.

«Den Soldaten wurde gesagt, dass die Genfer Konventionen keine Gültigkeit hätten und bei der Befragung die Anwendung von Gewalt zulässig sei, um Gefangene zum Sprechen zu bringen», sagte der Autor des Berichtes, John Sifton. Für die Studie wurden Angehörige der US-Armee befragt.

Ein US-Soldaten sagte laut dem Bericht, der Leiter seiner Einheit im Gefängnis Camp Nama am Flughafen von Bagdad habe geradezu zur Misshandlung von Gefangenen aufgefordert: «Die wollten, dass jeder hart angepackt wird», sagte der Befragte, der nicht namentlich zitiert wurde.

Der 53-seitige Bericht führt etliche Beispiele an, in denen Soldaten ihren Vorgesetzten von Misshandlungen berichteten, ohne dass dies Konsequenzen hatte.

Ein Mitglied der Militärpolizei sagte, er habe an seinem Einsatzort in einem Gefängnis nahe El Kaim an der syrischen Grenze einem Vorgesetzten von Folterungen berichtet. Er sei dann aufgefordert worden, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Informationen über Misshandlungen seien auch bis nach Washington weitergereicht worden, heisst es in dem Bericht.

Die Untersuchung widerlege die Behauptung der US-Regierung, dass Folter und Misshandlung im Irak verboten war und nur in Einzelfällen vorgekommen sei, sagte Sifton weiter. Die Misshandlungen seien im Gegenteil weit verbreitet und geduldet gewesen.

Zudem sei nun klar, dass Angehörige der Armeeführung für die Folter verantwortlich seien. Bisher wurde kein ranghoher Armeeoffizier wegen der Foltervorwürfe belangt.

Der Skandal von Abu Ghraib rückte im April 2004 ins internationale Blickfeld, als US-Medien Fotos veröffentlichten, die amerikanische Soldaten bei der Misshandlung irakischer Gefangener zeigten. Derzeit sitzen nach offiziellen Angaben 14'000 Gefangene in US-Gefängnissen im Irak.

(sda/stom)