Vermischtes
Massensterben bei Schweizer Bienen
Obstbauern befürchten grosse Einbussen
Die Bienen in der Schweiz sind geschwächt: Ein grosser Teil hat den Winter nicht überlebt. Die Ursachen sind nicht restlos geklärt; die Folgen dürften die Obstbauern zu spüren bekommen.
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Das Bienensterben wurde zunächst in der Ajoie im Kanton Jura bemerkt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Nutztiere und Milchwirtschaft, Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP), teilte im Februar mit, in der Ajoie seien die Bienenvölker dezimiert.
Inzwischen hat sich gezeigt, dass die ganze Schweiz betroffen ist, wie Jean-Daniel Charrière, Bienenspezialist bei der ALP sagte. Er schätzt den Verlust auf insgesamt 20 bis 30 Prozent. Manche Imker hätten alle Bienen verloren. Bis sich der Bienenbestand erholt hat, dauert es ein bis zwei Jahre. Was genau zum Massensterben geführt hat, ist noch unklar. Der kalte Winter, der in Medienberichten als mögliche Ursache genannt wurde, ist laut Charrière jedoch kaum schuld. Auch in Kanada oder Skandinavien gebe es Bienen, gibt er zu bedenken.
Es sei eher das Wetter im vergangenen Spätsommer, das - indirekt - eine Rolle gespielt haben dürfte, erklärt der Forscher. Die feuchte und kalte Witterung könnte dazu geführt haben, dass die Bekämpfung des Bienenparasiten Varroa weniger wirksam gewesen sei als in anderen Jahren.
Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass zahlreiche Bienenvölker vom Varroa-Parasiten, der auch Viren überträgt, befallen wurden. Der Parasit war früher mit chemischen Produkten bekämpft worden. Weil er Resistenzen entwickelte, werden seit ein paar Jahren Alternativmethoden eingesetzt, etwa Ameisensäure.
Die Witterung im Spätsommer könnte die Wirksamkeit dieser Methoden beeinträchtigt haben, sagte Charrière. Möglich ist laut der ALP aber auch, dass Parasiten und Viren die Bienen besonders stark befallen haben, weil sie - aus einem unbekannten Grund - allgemein geschwächt waren.
Für die Obstbauern könnte dies Einbussen zur Folge haben: Charrière rechnet damit, dass manche Blüten gar nicht oder schlecht befruchtet werden. Bei einem Apfel beispielsweise braucht es für jeden Kern ein Pollenkorn. Wird er schlecht befruchtet, wächst er nicht regelmässig.
Weitere Nutz- oder Wildpflanzen sind weniger gefährdet: Viele Pflanzen blühen später, weshalb sie auch von anderen Bestäubern etwa Wildbienen oder Hummeln - befruchtet werden können. Andere wiederum sind, wie der Raps, Selbstbestäuber und somit zum Gedeihen auf den Fleiss der Bienen nicht angewiesen.
In der Schweiz haben sich Verluste in den vergangenen Jahren gehäuft: Bereits 2003 kam es zu einem Verlust von insgesamt 25 Prozent. 2005 verzeichneten einzelne Regionen ein Bienensterben.
(sda/kooe)
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