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«Viel vo üs hei Hunger»

Mittwoch, 27. Februar 2008, 14:03 Uhr, Aktualisiert 04.03.2008, 13:40 Uhr

Rede-Marathon in der St. Jakobhalle

Die Diskussion über die Sonderprüfung der UBS hat sich hingezogen. Eingeschrieben waren 52 Votanten, denen aber nur je fünf Minuten Redezeit eingeräumt wurde. Der 15. Redner - der rotbemützte Kleinaktionär Heinrich Wagner - hatte kurz vor 12.30 Uhr genug: In lupenreinem Berndeutsch klagte er «Viel vo üs hei Hunger» und forderte die Mitaktionäre auf, auf weitere Voten zu verzichten.

Mann mit roter Mütze und ausgebreiteten Armen am Rednerpult
«Ich bi fürs Ässe kho!»: Ein hungriger Kleinaktionär sorgt mit seinem Votum für Erheiterung. (keystone)

«Ich bi e Klaiaktionär. Es geit mir drum das Votum möglischt schnäll abzschliesse» meinte der Redner in der mit über 6000 Aktionären gefüllten St. Jakobhalle, denn es sei unnütz «no stundelang, tagelang drüber zrede. Natürlich bin ich mit em Traktandum vo Ethos iiverstande. Viel vo uns hän hunger. (...) Ich bi fürs Ässe kho. Do könne dir no lang pfiffe. Ich ha no 3 minute. Es isch scho 12 gsi. Mir sin morn no do. Gäbed mir s Schlusswort für das Traktandum. (...) Ich wird villicht spöter s Wort nomol ergriffe.»

Wenn seine Mitaktionäre nicht auf ihre Voten verzichten wollten, dann solle Ospel die Diskussion abbrechen, meint er weiter. Ospel seinerseits wies darauf hin, dass man sich auch aus der Rednerliste austragen lassen könne und erntete für einmal tosenden Applaus.

In der Debatte hatte es zuvor Kritik an Ospel, dem Verwaltungsrat und der Konzernführung, gehagelt. Ospel wurde mehrmals zum Rücktritt aufgefordert. Vereinzelt wurde er aber auch zum Bleiben bis 2009 aufgefordert, «um diese Suppe auszulöffeln».

Aktionär Salvatore Cardillo fragte auf Italienisch: «Sprechen Sie italienisch? Gibt es keinen Italienisch-Übersetzer?» Marcel Ospel antwortet: «Geht auch französisch oder deutsch?». Der Redner beklagte sich, dass alle Dokumente nur auf Deutsch vorlägen. Ospel: «Sie können schon italienisch sprechen, ich verstehe es einfach nicht.» [Gelächter]. Cardillo sprach dann in Französisch: «Die Wahrheit ist: Er [Marcel Ospel] hat die Bank in ein 'Casino' verwandelt. (...) Vous comprenez, Monsieur Président?»

Trauerbekleidung trug Guido Röthlisberger: «Bonjour a tutti! Hüt morge seit mini Frau, Herrgott, wo gosch du ane? An e Beärdigung? Ich ha gseit, nei, bi Gott, nei. Ich bin nur ein Kleinaktionär.» Er wolle die Vorgehensweise 'Geld sofort, skrupellos und ohne Moral’ verhindern, das sei nicht schweizerisch. Hir würde man anders arbeiten.

Ein Kleinanleger sagte, von einem Lohn könne in solchen Fällen schon lange nicht mehr gesprochen werden: «Das ist Diebstahl», sagte er. Denn Risiko und Verantwortung trügen «diese Bonusdiebe» nicht mehr. Falls die Sonderprüfung nicht zu Stande komme, könne man auch eine Strafanzeige einreichen, sagte der Kleinaktionär: «Denn wenn jemand das halbe Aktienkapital in den Sand setzt, dann stimmt doch etwas nicht.»

Neben der Hungermeldung gab auch die Zwischenverpflegung zu reden. Das abgegebene Lunch-Paket weckte Erinnerungen an die 2001 untergegangene Swissair bzw. SRGroup: «Es hat schon einmal eine Unternehmung an der Generalversammlung den Aktionären Lunchsäcke abgegeben», sagte der Zürcher Rechtsanwalt und Kleinaktionär Hans-Jacob Heitz: «Jene Unternehmung ist inzwischen gegroundet.» Er hoffe, dass die Lunchsäcke nicht ein böses Omen für die UBS seien.

(sf/sda/sper)