Inhalt

Kurer: «Ich bin keine lahme Ente»

Mittwoch, 23. April 2008, 12:43 Uhr, Aktualisiert 24.04.2008, 7:54 Uhr

Neuer UBS-Präsident schlägt Pflöcke ein

Unter Pfiffen und Buhrufen ist Peter Kurer von der UBS-Generalversammlung klar in den Verwaltungsrat und damit zum UBS-Präsidenten gewählt worden. Im Interview mit der «Tagesschau» distanziert sich Kurer von der Rolle eines Übergangskandidaten. Klar gutgeheissen wurde an der GV auch eine neue Kapitalerhöhung von 15 Milliarden Franken.

Videoplayer
Peter Kurer gewählt

Trotz der heftigen Kritik an der Person Kurers in den letzten Wochen entfielen auf seine Person 585,5 Mio. Aktienstimmen, gegen ihn kamen nur 44,9 Mio. Stimmen zusammen. Peter Kurer wertet dies als «sehr deutliches Mandat», wie er gegenüber der «Tagesschau» sagte: «Ich hoffe, dass damit ein klarer Schlussstrich unter die Polemik an meiner Person gezogen wird.»

Auch sei er kein Übergangskandidat: «Die richtigen Entscheide müssen jetzt gefällt werden. Einen ‹lame duck› – eine lahme Ente – auf diesem Sitz wäre extrem gefährlich.»

Als erstes will der designierte UBS-Präsident die Zweiteilung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung klarer machen. «Daraus folgen alle weiteren Massnahmen. Dies werden wir rasch angehen.»

Die Wahl Kurers wurde von vielen Kleinaktionären mit Pfiffen und Buhrufen quittiert. Statt eines Juristen bräuchte jetzt es einen Banker mit Führungserfahrung, hiess es. «Schuster, bleib bei deinem Leisten», riet ihm ein Aktionär.

Ausser Kurer wurde der britische Bankfachmann David Sidwell neu in den Verwaltungsrat gewählt. Zudem bestätigten die Aktionäre Peter Voser und Lawrende Weinbach im Amt.

Mit einer Dauer von sieben Stunden war die ordentliche Generalversammlung eine Marathonveranstaltung. Viele Aktionäre machten ihrer Enttäuschung über die Milliardenverluste im US-Hypothekenmarkt Luft.

So ortete etwa Thomas Minder, Initiant der «Abzocker»- Initiative, beim UBS-Management «horrende Fehleinschätzungen, gekoppelt mit hohen Löhnen». «Ich wollte, ich hätte Sie in meinem Leben nie getroffen, Herr Ospel», fasste ein Aktionär seine Gemütslage zusammen.

Der scheidende UBS-Präsident Ospel, der von den Aktionären doch mit freundlichem Applaus bedacht wurde, gab sich in seiner Rede überzeugt, dass die Bank das Schlimmste überstanden habe. Selbstmitleid liess Ospel nicht aufkommen: «Wer den kalten Wind nicht aushält, hat auf dem Gipfel nichts zu suchen.»

Ein weiterer Aktionär zeigte sich vom Bonusverzicht Ospels dagegen scheinbar gerührt und brachte dem abtretenden Präsidenten als Trost einen Kranz mit Cervelats mit. Ospel zeigte sich allerdings gut vorbereitet und zog unter seinem Pult eine Tube Senf hervor.

Ethos-Präsident Dominique Biedermann forderte eine Neubesetzung des Gremiums: Mindestens die Hälfte des Verwaltungsrats müsse durch Personen mit Finanzkenntnissen besetzt sein, forderte er. Das sei heute nicht der Fall.

Ausserdem haben die Aktionäre der UBS einer erneuten Stärkung der Kapitaldecke der Grossbank zugestimmt. Sie beschlossen eine Kapitalerhöhung von 15 Milliarden Franken mit Bezugsrechtsemission. Der Beschluss fiel mit 651 Millionen zu 9 Millionen Stimmen.

Die im Zuge der US-Hypotheken-Krise in Schieflage geratene Bank führt damit nach entsprechenden Beschlüssen einer ausserordentlichen Generalversammlung am 27. Februar zum zweiten Mal eine Kapitalerhöhung durch.

Des Weiteren haben die UBS-Aktionäre an der Generalversammlung in Basel die tiefrote Jahresrechnung der Grossbank genehmigt. Wegen der hohen Verluste auf dem US-Hypothekenmarkt hat die UBS das Geschäftsjahr 2007 mit einem Verlust von 4,4 Milliarden Franken abgeschlossen.

(sf/agenturen/widb/meip)

Kommentare aktiv...
Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.