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Ethische Fragen im US-Wahlkampf

Sonntag, 17. August 2008, 15:50 Uhr, Aktualisiert 19.08.2008, 12:36 Uhr

Obama und McCain treffen sich in Kirche

Beim ersten gemeinsamen Auftritt der US-Präsidentschaftskandidaten haben sich erneut die verschiedenen gesellschaftspolitischen Ansichten gezeigt. «Ich unterstütze Abtreibungen, weil ich nicht glaube, dass Frauen, die abtreiben, dies leichtfertig tun», sagte Barack Obama in einer evangelikalen Kirche im kalifornischen Lake Forest. Der Republikaner John McCain bekräftigte hingegen seine Haltung als entschiedener Abtreibungsgegner.

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Ringen um Stimmen

Obama wollte sich im Gespräch mit Prediger und Autor Rick Warren nicht festlegen, ab wann ein Embryo Menschenrechte habe. Diese Frage aus theologischer oder wissenschaftlicher Sicht zu beantworten, übersteige seine Fähigkeiten, sagte er. McCain sprach Embryonen hingegen «vom Moment der Empfängnis» an Menschenrechte zu. Er kündigte an, ein Präsident zu werden, der sich für das Leben einsetze.

Auch in der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe gingen die Positionen von Obama und McCain auseinander. Die Ehe sei seiner Ansicht nach ein Bund zwischen Mann und Frau, sagte Obama. Dennoch unterstütze er nicht kirchlich geschlossene Verbindungen zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. McCain lehnte die Homo-Ehe hingegen strikt ab.

Als seine schlimmsten moralischen Verfehlungen bezeichnete Obama seine Alkohol- und Drogenerfahrungen als Teenager sowie seine «Selbstsucht» als junger Mensch. McCain bedauerte vor den rund 2000 Zuhörern, dass seine erste Ehe gescheitert sei. Er sei damals ein «sehr unvollkommener Mensch gewesen».

Befragt nach der grössten moralischen Verfehlung der USA zu seinen Lebzeiten kritisierte Obama, dass sein Land sich immer noch nicht an den Grundsatz Jesu Christi «Was Ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan» halte. McCain prangerte die mangelnde persönliche Opferbereitschaft an. Das grösste Versagen der USA bestehe vielleicht darin, «dass wir uns nicht grösseren Dingen gewidmet haben als unseren eigenen Interessen». Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hätte die Politik zum Beispiel von den Amerikaner fordern müssen, verstärkt in das Friedenskorps und die US-Streitkräfte einzutreten.

Das Thema Religion und insbesondere die Stimme der evangelikalen Christen können eine entscheidende Rolle bei der Präsidentschaftswahl spielen. Insbesondere das republikanische Lager ist für einen Wahlsieg auf ihre Unterstützung angewiesen. Laut einer Umfrage des US-Senders ABC unterstützen 67 Prozent der evangelikalen Christen McCain und 25 Prozent Obama.

(sda/fasc)

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