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«Vernunft besiegt Fremdenfeindlichkeit»

Montag, 9. Februar 2009, 14:45 Uhr, Aktualisiert 10.02.2009, 13:58 Uhr

«tagesschau.sf.tv»-User zum Abstimmungssonntag

Die User auf «tagesschau.sf.tv» haben sich auch in den 24 Stunden nach Schliessung der Wahllokale am Sonntagmittag zum Teil heftige Wortgefechte geliefert. Die deutliche Annahme der Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Bulgarien und Rumänien und die Weiterführung der Bilateralen Verträge haben sowohl zu sachlichen wie auch emotionalen Reaktionen geführt.

Hände auf Computer-Tastatur.
Die Abstimmung hat auch bei den Lesern im Netz zu vielen Reaktionen geführt. (reuters)

Bis um 12.00 Uhr am Tag nach der Abstimmung wurden 260 Kommentare zum Artikel veröffentlicht. Viele User von «tagesschau.sf.tv» waren schlicht erleichtert, dass die Schweizer Stimmbürger ein Ja in die Urne legten:

A.switzerboi: Die Personenfreizügigkeit brauchen wir. Die Schweiz ist der 2. wichtigste Handelspartner der EU und Deutschland, in dem täglich mehr als 1 Mio. durch Import und Export herausspringt.

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt gab auch die Paketlösung der Abstimmungsvorlagen zu reden. Aber auch viele User, die mit Nein stimmten, wollen den demokratischen Entscheid stützen. User M. Margeau schrieb, ihm gefalle das Ja nicht sehr, aber der Volksentscheid sei trotzdem zu akzeptieren. Viele Leser schauten auch über die Grenzen nach Europa, und schrieben von geistiger Öffnung gegenüber den Nachbarn:

P. Siegrist: Ich glaube, es ist wirklich an der Zeit, dass wir mit dem übrigen Europa leben lernen. Es gibt effektiv keinen Grund zur Annahme, dass wir etwas Besseres sind als die übrigen Menschen in Europa!

Nachdem klar war, dass die Vorlage klar angenommen wird, äusserten sich auch enttäuschte «Nein-Stimmer», zum Teil mit deutlichen Worten. Den Stimmbürgern, die ein Ja in die Urne legten, wurden von Usern «Dummheit» und «Landesverrat» vorgeworfen. Den knapp «60%-Ja-Stimmern» wurde nur teilweise Verständnis entgegengebracht.

R. Schreier: Ich bin von den 1'517'156 Stimmbürgern masslos enttäuscht!

Die SVP als grosse Gegnerin der Vorlage musste am Nachmittag ihre Niederlage eingestehen. Sie selbst sah sich aber als moralische Siegerin, hatte sie doch «mehr als nur die SVP-Wählerschaft» auf ihre Seite gebracht, und rund 40% Nein-Stimmen erhalten. Die Reaktionen auf die Darstellung der SVP nach ihrer Niederlage fielen mehrheitlich kritisch aus. Mehrere User fragten, ob die SVP grundsätzlich lernfähig sei:

A. Müller: Dass sich jetzt noch einige SVP-Bekenner zum heimlichen Sieger erklären wollen und gar eine Initiative planen, um den heutigen demokratischen Entscheid zu torpedieren, zeugt ganz klar von deren Realitätsverlust und Weltfremde.

Auch der Abstimmungskampf an sich wurde kritisch betrachtet, von beiden Meinungslagern. User S. Drago hatte nach eigener Aussage Nein gestimmt, gratulierte aber den Siegern, und kritisierte den Ton im Abstimmungskampf, der von «Fremdenhass und Rassismus» geprägt gewesen sei. User P. Schlemihl äusserte sich ebenfalls kritisch, die Erleichterung wegen der Zustimmung überwog aber am Ende doch: «Die Vernunft hat sich gegen rechtskonservative Ideologie und Fremdenfeindlichkeit durchgesetzt!!!»

(sf/fasc)