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Unia feiert fünf Jahre flexibles Rentenalter
«Ein Stück soziale Gerechtigkeit» auf dem Bau
Vor fünf Jahren ist nach zähen Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern das flexible Rentenalter auf dem Bau eingeführt worden. Die Gewerkschaft Unia feierte dieses «Stück soziale Gerechtigkeit».
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Am 1. Juli 2003 trat der Vertrag für ein flexibles Rentenalter in Kraft, am gleichen Tag profitierten die ersten 300 Bauarbeiter von der Frühpensionierung mit 60 Jahren.
Seither hätten rund 5850 Personen Frührente bezogen, sagte der Sektorleiter Bau der Gewerkschaft Unia. Von ihnen traten seither 2267 ins normale AHV-Rentnerleben über. Damit beziehen zurzeit 3573 Bauarbeiter von der Stiftung Flexibler Altersrücktritt (FAR) eine Rente.
Die Unia sprach von einem «bahnbrechenden Frühpensionierungsmodell». Die Forderung, dass Arbeitnehmende in so genannten Verschleissjobs wie eben auf dem Bau vor dem AHV-Alter in Pension gehen können, reicht in die 90er-Jahre zurück.
Wissenschaftliche Studien hätten untermauert, dass eine grosse Zahl von Bauarbeitern das Rentenalter 65 nicht oder nur als Invalide erlebten, so die Unia. Vor diesem Hintergrund hätten die Gewerkschaften eine «beispielhafte Kampagne für ein Stück soziale Gerechtigkeit» lanciert.
In zähen Verhandlungen, bei denen die Gewerkschaften ihren Forderungen mit einem Streiktag im November 2002 - dem ersten nationalen Branchenstreik seit 50 Jahren - Nachdruck verliehen, einigten sich die Sozialpartner vertraglich auf den FAR. Mit dem FAR sei «in kürzester Zeit ein Sozialwerk geschaffen worden, das es in dieser Ausgestaltung zuvor nicht gab», teilte die Unia mit.
Auch der Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes lobt den FAR. Im Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» bezeichnet er ihn als «elegantes Instrument», das sehr sozialverträglich sei. Er spricht von einem «Erfolgsmodell, wenn auch ein teures».
Die Finanzierung des FAR erfolgt im Umlageverfahren (wie die AHV), wobei die Arbeitgeber 4 Lohnprozente und die Arbeitnehmer 1,3 Prozent in die Stiftung einzahlen. Die Stiftung FAR nahm in den fünf Jahren ihres Bestehens 1,1 Mrd. Fr. an Beiträgen ein und zahlte rund 500 Mio. Fr. Renten aus.
Der Jurist Stefan Keller erklärte, der FAR könne in Zukunft als Modell für Frühpensionierungslösungen in anderen Branchen dienen, in welchen die Arbeitnehmenden ähnlichen körperlichen und psychischen Anforderungen ausgesetzt seien. Das Modell lasse sich aber nicht einfach auf andere Branchen übertragen und sei daher «kein Allheilmittel».
Dieses sieht der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), Paul Rechsteiner, in der Volksinitiative der Gewerkschaften für das flexible Rentenalter in der AHV ab 62 Jahren. Rechsteiner betonte, viele Beschäftige in anderen Branchen seien dringend auf eine Möglichkeit zur Frühpensionierung angewiesen.
National- und Ständeratwie auch der Bundesrat empfehlen das Begehren zur Ablehnung.
(sda/bers)
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